Knapp vorbei ist auch daneben!
Dies ist auf das aktuell noch laufende Sudden Stratospheric Warming bezogen,also auf die große Stratosphärenerwärmung, die auf der Nördlichen Hemisphäre seit mitte Februar im Gang ist. Allzu große Auswirkungen bis tief in das Frühjahr hineine wird es nicht auslösen, dazu später etwas mehr.
Auch der zurückliegende Winter verlief wieder zu mild, das ist keine große Überraschung. Die Druckabweichungen fielen folgendermaßen aus
(C)NOAA
und das Ergebnis meiner Vermutungen fällt ganz gut aus
(C)KURT HANSEN VIA NOAA
Die grundsätzlichen Strukturen wurden gut getroffen, ein Wehrmutstropfen bleibt, denn über West/Mitteleuropa hatte ich weniger Hochdruck vermutet, deswegen ist der Winter auch trockener ausgefallen als der von 2021/2022.
Gut getroffen auch wieder die von mir vermuteten Großwetterlagen,
nämlich TrM, TrW, TM,HB, TB, desweiteren HNa, HNz, HNFa, HNFz, Na, Nz oder SEz.
Bei zonalen und gemischten Wetterlagen die "üblichen Verdächtigen" wie
NWz / NWa, BM, HM, SWz, SWa, Wz,Wa,WW. An 27 Tagen herrschten gemischte
Wetterlagen, SWa, BM und HM waren hier vorherrschend, an 36 Tagen gab
es zonale Wetterlagen, hauptsächlich Wz ( 19 Tage ) und Ws ( 9 Tage ), die von mir vermutete WW trat hingegen nicht auf, mit 25
Tagen wurden Meridionale Wetterlagen notiert, hier hatte ich gut die Hälfte richtig vermutet. Bei den Abweichungen
hatte ich dagegen zu tief gegriffen. Prognostiziert
hatte ich 0,5° bis 2,° zu 1961-1990, es sind 2,61° geworden, Punktlandung hingegen bei 1991-2020, hier hatte ich 0,5°
bis 1,5° vermutet, hier läuft es auf fast genau 1,5° hinaus.
Nun zum Frühjahr. Wie erwähnt ereignete sich mitte Frebruar ein SSW welches noch läuft. Etwas unklar ist zum aktuellen Zeitpunkt, ob und wie stark die Störungen der oberen Stockwerke durch die Stratosphäre hindurch auf die Troposphäre wirken, wo sich die meisten wichtigen Großwetterabläufe absielen.
Da es allerdings schon recht spät im Jahr ist und der Polarwirbel in seiner Gesamtheit sich sowieso schon langsam aber sicher in Richtung Umstellung zur Sommerzirkulation befindet - auch wenn diese erst im April ggfls. Anfang Mai stattfindet - ist es für weitreichende und lagfristige Auswirkungen auf Großwetterlagen m.M.n. zu spät. Falls es anders kommt, Pech, damit kann ich leben.
Beim aktuellen SSW handelt es sich NICHT um einen Split, sondern um ein Vortex Displacement, eine Versetzung des Wirbels, und ein solches kann u.U. für recht aktives Wetter in Mitteleuropa
sorgen, also viel Wind, viel NS mit eher milden Temperaturen in Wechsel
mit kühlen Temperaturen. Das
kommt daher, daß Displacements des PW eher für barokline Aktivität in
der Athmosphäre stehen, also eine labil geschichtete Athmosphäre.
Resultat sind dann u.a. Westlich / Nordwestlich, aber auch Südwestlich geprägte, eher
feuchte Lagen mit Advehierung von mP und mT, also GWL wie Wz,Ws ( wenn
auch in niedriger Zahl ) NWz, SWz. Oft präsentiert sich der Vortex dann langgezogen und nordöstlich vom Pol versetzt. Schauen wir mal genauer hin :
(C)FU BERLIN
Passt, wie man sieht. Der anstehende Kaltlufteinbruch via Nord/Nordwest ist dem Umstand geschuldet daß sich ein Langwellentrog bildet wie es oben in der 550k Isentropen Fläch zu sehen ist, und zwar über dem Nordmeer im Isländisch-Grönländischen Bereich bis nach Skandinavien.
Längerfristig gesehen soll sich der PW noch weiter nach Nordost zurückziehen, was nicht unbedingt dafür spricht daß es spätwinterlich bleiben wird
(C)FU BERLIN
Wie oben erwähnt will die Kupplung zwischen Stratosphäre und Troposphäre nicht so ganz gelingen, das sehen GFS und GEOS gleichermaßen so
(C)STRATOBSERVE
Zwar ist die Tendenz zu einer eher Negativen Atlantischen Oszillation nach einem Vortex Displacement recht stark, d.h. aber nicht daß es, wie bspw. 2021, länger und stärker zu einem Greenland-Blocking kommt, dazu war der Impact des SSW zu spät und nicht stark genug. Es ist daher eher zu vermuten daß sich das Wetterregime AT ( Atlantic Ridge ) in Verbindung mit NAO- bilden wird, was Atlantischer Rücken bedeutet. Dieses Wetterregime ist eher labil und lässt Störungen zu, was sich dann in wiederholten, wenn auch abgeschwächten Trog-Keil-Mustern niederschlagen dürfte.
Beim Jetstream zeigt sich folgendes Bild
(C)METEOCIEL
Ein eher gemischtes Bild, zwar ist der Polarfrontjetstream noch vorhanden, aber der Subtropenjetstream schon recht gut ausgebildet.
Kommen wir zu den Wassertemperaturen und der Frage, ob der normalerweise
im Frühjahr herrschende Gegensatz zwischen Wasser-und Lufttemperaturen
zur verstärkten Bildung von Meridionalen Lagen führt, wie es
"eigentlich" für das Frühjahr üblich ist?
(C)NOAA
(C)NOAA
Wie schon so oft in der vergangenen Zeit zeigen sich keine großen Diskrepanzen zwischen Wasser-und
Luftttemparturen über dem Atlantik und dem Europäischen Nordmeer, aber,
anders als 2022 zeigen sich über weiten Teilen Kanadas bis hin zur Baffinbay - Davisstraße - Labradorsee und Grönland deutlich negative Abweichungen der Lufttemperatur. Ein Fingerzeig für einen auflebenden Atlantik im weiteren Frühjahrsverlauf? Quien sabe.
Bei
der Analyse der zyklonalen Strukturen in 500hpa fällt abermals auf daß es zwar
eine Zunahme gibt, diese sich aber heuer auf Mitteleuropa, den mittleren
Atlantik und den subpolaren Bereich beschränkt und nicht so stark ausfällt wie 2022, im subtropischen
Bereich findet sich hingegen wieder eine deutliche Abnahme zyklonaler
Strukturen.
Das lässt m.M.n. den Schluß zu daß es wieder zu Mäandrierungen kommt, diese aber eher moderat ausfallen, der von mir etwas stärker vermutete Hochdruck im Nordmeer dürfte dafür verantwortlich zeichnen.
Folge
wären dann Wetterlagen wie
bspw. BM, HM, SWa, Wa, NWa, allerdings sehe ich zunächst den "Vorteil" bei Lagen wie mit SWz, WZ und NWz,
allerdings kann es aber jederzeit im Frühjahr - auch bis in den Mai
hinein - nochmals zu recht
markanten Kaltlufteinbrüchen durch Großwetterlagen wie bspw. HNFa, HNa
Nz, HNz oder HFz kommen.
Aktuell steht dies ja bevor.
Das
langjährige Mittel der Klimaperiode zeigt, wie schon öfter in den
vergangenen Jahren erwähnt, in einigen Zeiträum
während des Frühjahrs so manch eine Delle nach unten. Nochmals erwähnt, auch im
Mai dürften abgeschwächte
Kaltlufteinbrüche möglich sein, haben dann aber
nichts mit den sog.
"Eisheiligen" zu tun. Diese
"Singularität" war nie eine wirklich vorhandene, desweiteren werden
Kaltlufteinbrüche im Mai immer schwächer - was aber nicht heißt, daß es
dann und wann doch mal kälter wird als gedacht.
Mäandrierungen
der Zirkulation
begünstigen außerdem die Bildung von Trog&Tiefdrucklagen wie bspw.
TrW, TrM, TM, hier vermute ich allerdings daß diese eher weniger auftreten.
Die Druckabweichungen könnten sich wie folgt darstellen :
(C)KURT HANSEN VIA NOAA
Abweichungen : +1° bis +3° zu 1961-1990, +0,5° bis +2,5° zu 1991-2020.
Quelle der Bilder :
https://coralreefwatch.noaa.gov/product/5km/index_5km_ssta.php
https://psl.noaa.gov/cgi-bin/data/getpage.pl
https://psl.noaa.gov/data/composites/day/
https://www.stratobserve.com/anom_ts_diags
https://www.geo.fu-berlin.de/met/ag/strat/produkte/winterdiagnostics/index.html
https://www.meteociel.fr/modeles/gfse_cartes.php?ech=6&code=0&mode=5&carte=1
Text : (C)Kurt Hansen, Arrondissement Perpignan, Region Occitanie, Departement Pyrénées-Orientales, France.