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Über Kurt Hansen

Kurt Hansen setzt sich in seinem Blogspot Kurt Hansen Meteo auf analytische Weise mit Saisonprognosen sehr ausführlich auseinander.

Herbst 2020

Wie immer, bevor die kommende Jahreszeit besprochen wird, ein kurzer Rückblick auf den vergangenen Sommer, der mit einer Abweichung von ca. 2,1° zu den wärmsten der vergangenen 10 Jahre gehören wird, auch wenn der Wettercharakter in einigen Regionen ein anderes Bild zeichnete. 


Die Druckabweichungen hatte ich im Frühjahr folgendermaßen versucht darzustellen :


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 (C) NOAA


Das Ergebnis schaut allerdings folgendermaßen aus 
















 

(C)NOAA

und kann nur als mittelmäßig bezeichnet werden, die ein oder andere Grundstruktur stimmt zwar, jedoch fällt auf daß ich eine wesentlich stärkere Tiefdruckanomalie im Atlantik im Bereich Britische Inseln vermutet hatte. 

Ansonsten ist die Prognose durchaus gelungen, bei den Großwetterlagen und dem Verlauf des Sommers hatte ich folgendes vermutet : 

Ein weiterer wichtiger Punkt wäre die Luftdruckentwicklung ausgehend von der letzten Juni - Dekade bis zum Ende der letzten Juli - Dekade. Verläuft diese Jahreszeitlich gesehen unterdurchschnittlich, so ist leider davon auszugehen daß dann die "Siebenschläferregel" greift. Es ist nicht der einzelne Tag an sich, der hier zu beachten ist, sondern nach Franz Baur ( Vater der Langfristprognosen ) der von mir angesprochene Zeitraum. Sind die Luftdruckwerte unterdurchschnittlich, so ist von einem komplett "durchwachsenen" Sommer auszugehen.

Bei den Großwetterlagen des Sommers dürften Gemischte Lagen und Meridionale Lagen überwiegen, zu nennen wären u.a. Brücke Mitteleuropa ( BM ), Hoch Britische Inseln ( HB ), Hoch Nordmeer-Island antizyklonal ( HNa ) Nordwestlage antiztyklonal ( NWa ) und  kurzzeitig Hoch Mitteleuropa ( HM ). Meridionale Trog & Tiefdrucklagen ( TrW, TrM, TB, TM ) dürften aber wie oben erwähnt ebenso häufig auftreten wie südlich/südöstlich orientierte Lagen ( SEa, SEz ), gemischte kühle Lagen ( bspw. NWz ), spielen auch eine Rolle weil sie für die typischen Einbrüche in einem Mitteleuropäischen Sommer stehen. Zonale Lagen wird es auch geben,  wahrscheinlich  schafft es die zonale GWL Westlage antizyklonal ( Wa ) sich durchzusetzen, die zyklonale Westlage ( Wz ) dürfte es ebenfalls schaffen eine größere Rolle zu spielen, evtl. könnte diese aber im späteren Verlauf des Sommers der Wegbereiter für eine ausgeprägte und recht durchgreifende Hoch / Spätsommer - Hitzewelle ( dann hervorgerufen durch die GWL SWa / SWz / HM ) sein.

Bei den Großwetterlagen waren tatsächlich Gemischte und Meridionale Lagen im Vorteil, auch die Typen der Großwetterlagen wurden richtig erkannt, und das wiederholte auftreten von zonalen Lagen "öffnete" einer - besonders im Norden, hier wurden Rekorde bei den Hitzetagen gebrochen! - recht durchgreifenden Hitzewelle die Türen. 

Gesamt gesehen war der Sommer 2020 ein klassischer Siebenschläfer, am stärksten im Süden zu bemerken ( Niederschläge! ) und mit fortlaufender Abschwächung über die Mitte ausgehend, im Nordne hat man vom Siebenschläfer dagegen wenig mitbekommen. 

Kommen wir nun zum folgenden Herbst.

Jahreszeitlich bedingt kommt es besonders ab Ende September zu immer mehr Kaltluftausbrüchen via Nördliche Hemisphäre, dann beginnt die Polarnacht. Das aufeinandertreffen dieser Kaltluft auf das sehr warme Wasser im arktischen Bereich und des Nordatlantik würde normalerweise viel Tiefdruck zur Folge haben - Nota Bene : Starke Gegensätze sind Tiefdruckfördernd, schwache Gegensätze Hochdruckfördernd - allerdings muss man anmerken daß durch den anthropogen forcierten Klimawandel die Lufttemperaturen der Arktis ebenfalls stark angestiegen sind. somit verringern sich die Gegensätze und Tiefdruck hat es dadurch schwerer sich zu bilden.

Blick auf die Anomalien der Wassertemperaturen : 

(C)TROPICAL TIDBITS

Im Vergleich mit den Wassertemps zu Beginn des Sommers ( siehe meine damalige Prognose ) hat sich das Wasser bspw.nördlich der Azoren nicht sonderlich stark abgekühlt, westlich davon findet man allerdings deutlich wärmeres Wasser, noch weiter nördlich ebenso sehr warmes Wasser welches sich durch die Labradorsee bis in die Davis-Straße zieht. Die Kaltluftausbrüche via NH werden dafür sorgen, daß nun weitere Kaltluft in den mittleren Atlantik befördert wird ( aufgrund der Drehrichtung der Tiefdruckgebiete links herum ) . Da sich aber südlich der Azoren auch sehr warmes Wasser befindet, dürfte sich Hochdruck evtl. etwas mehr nach Süden ausdehnen, eine Südwestliche Strömung wäre zunächst die Folge. Gen Norden wird sich das Azorenhoch nicht aufsteilen und eine Blockade herbei führen können, dies wird durch das kältere Wasser verhindert. 

Eine Konzentrierung des Hochdrucks südlich der Azoren zeigt auch der Plot der vergangenen 2 Wochen 

(C) NOAA

Ebenso ist eine starke Tiefdruckanomalie im Bereich Neufundland / Mittlerer Atlantik / Britische Inseln zu erkennen, desweiteren nördlich von Skandinavien und im südöstlichen Bereich von Russland, zonale Lagen dürften sich immer wieder bilden, dazu unten mehr. Bezeichnend dafür der NAO-Index, der in der vergangenen Zeit ( außer Juli und wie erwähnt aktuell ) immer leicht positiv verlief : 




(C) NOAA

Wahrscheinlich wird ein Teil des Frühherbst von wiederholten Vorstößen des Azorenhochkeils und entsprechender Advehierung subtropischer Luftmassen dominiert, das kann auch im Oktober noch milde bis warme Lagen ermöglichen, Stichwort "Altweibersommer".


Heuer scheint sich eine sehr starke atlantische Hurrikan-Saison zu entwickeln, wird ein Ex-Hurrikan / Tropischer Sturm als Tiefdruckgebiet in die Westwindzirkulation eingebunden, ist eher wechselhaftes Wetter zu erwarten. Wird eine eher Südlich / Südwestliche Zugbahn eingeschlagen, dann werden warme bis sehr warme subtropische Luftmassen advehiert und ein Azorenhochkeil unterstützt. Das wäre, wie zonale Lagen im Hochsommer, ein sog. "Türöffner" für sehr warmes aber eher unbeständiges Wetter, verursacht bspw. durch die GWL SWz.  

Zwar steht eine starke Hurrikan-Saison nicht dafür, Gemischte und zonale Lagen zu begünstigen, man muss aber den anthropogen verstärkten Klimawandel beachten, denn die stetige und starke Erwärmung v.a. auf der Nördlichen Hemisphäre scheint dafür verantwortlich zu sein, daß sich heuer die Frontalzone eher gen Mitteleuropa bzw. südlicher als üblich orientiert. Und aufgrund dieses Umstands kann es nun möglich sein, daß Ex-Hurrikane dennoch als Tiefdruckgebiete in die Westwindzirkulation eingebunden werden, siehe oben. "Normalerweise" sorgt eine schwache atlantische Hurrikansaison dafür, daß die Stürme auf den offenen Atlantik umgeleitet werden und entsprechendes Wetter in Europa iniziieren.  Die recht weit südlich orientierte Frontalzone ist hier gut zu erkennen


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(C)NOAA

Gut zu erkennen ist auch die Mäandrierung der Frontalzone im subtropischen Bereich südlich der Azoren, das ist m.M.n. ein Anzeichen dafür, daß der Frühherbst über weite Strecken von Gemischten und Zonalen Lagen dominiert wird. 

Blicken wir nun auf die Abweichungen der Luft-Temps auf der NH des vergangenen Sommer, man erkennt leicht positive Abweichungen hauptsächlich zwischen Grönland und Kanada, besonders an der Ostküste der Davis-Straße war es bspw. 2019 wesentlich wärmer im Sommer als im zurückliegenden


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 (C) NOAA

und dieser Umstand führte wahrscheinlich zu einer eher abgeschwächten Schmelzrate der NH inkl. Grönland, allerdings sind aktuell noch keine Graphen dazu vorhanden, diese reiche ich evtl. in einem Zusatzkommentar nach. 

Eine eher abgeschwächte Schmelzrate des Schnees würde etwas weniger Süßwassereintrag in den Labrador-bzw. Neufundlandstrom bedeuten, dadurch etwas bessere Voraussetzungen für Tiefdruckbildung im Bereich Neunfundland, der Geburtststätte der Atlantischen Tiefs. Tiefdruckbildung vermute ich desweiteren resultierend aus Ex-Hurrikans die wie oben beschrieben in die Westwind-Zirkulation eingebunden werden.

Dies spiegelt sich auch im Jetstream dar, der Polarfront-Jetstream hat sich gut ausbilden können und ist  über Nordamerika südlich versetzt


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 (C) CALIFORNIA REGIONAL WEATHER SERVER

Mit folgenden Druckabweichungen könnte im Herbst zu rechnen sein :



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 (C) NOAA

FAZIT :


Der Herbst dürfte anfangs weiter leicht wechselhaft verlaufen, es ist aber später davon auszugehen daß die starke Atlantische Hurrikan-Saison für häufigere Tiefdruckbildung sorgt - auch wenn dies im Wiederspruch zur bisher gängigen Meinung steht! - und diese Tiefdruckgebiete aufgrund der dann eher stärker ausgeprägten Gegensätze der Luft & Wassertemps recht aktiv daherkommen. Meridionale Wetterlagen sehe ich leicht unterrepräsentiert, Gemischte und Zonale Wetterlagen dürften die Hauptrolle spielen, physikalisch gar nicht anders möglich aufgrund der oben genannten Umstände. Es sei aber erwähnt daß Jahreszeitlich bedingt auch kühle bis kalte Lagen im Oktober und November möglich sind. Bei den GWL im Gemischten und Zonalen Bereich für den Herbst ist verstärkt mit BM, WW, Wa,WZ, SWa/z zu rechnen,  für wechselhafteres kühleres Wetter dürftem die GWL NWz und Nz stehen, desweiteren sind Tiefdruck-und Troglagen zu vermuten wie bspw. TB, TrM, TrW, es gibt aber bei den Meridionalen Lagen auch solche, die im Herbst trocken-warmes Wetter iniziieren wie bspw. Sa und SEa.


Der Vollständigkeit halber noch die Temp-Abweichung des Herbst bei der ich +1,5° bis +2,5° vermute.

Sommer 2020

"Lang ist der Pfad und beschwerlich, der aus der Dunkelheit hinaus führt ans Licht - Teil 2"


Reminiszenz an das Zitat von John Milton aus meiner Frühjahrs - Prognose, welches auch zum Teil für den Sommer gelten dürfte. Zunächst aber, wie immer, eine kurze Verifikation der Frühjahrs-Prognose.


Die Abweichungen der Druckverhältnisse wurde folgendermaßen prognostiziert :

(C)NOAA

Und so präsentiert sich das Frühjahr abschließend betrachtet :


(C)NOAA

Ein wieder mal sehr gutes Ergebnis, allerdings hatte ich über dem westlichen Nordmeer im Bereich Island / Grönland weniger Hochdruck vernutet. Und genau diese Hochdruckanomalie sorgte, wie 2019, für einen eher kühlen Mai. Und diese Druckkonstellation zeichnet auch verantwortlich für die weitere Entwicklung, die auch weite Teile des Sommers beeinflussen könnte.

Die Sommer-Prognose gestaltet sich, wie schon 2019, schwierig. Denn die Zirkulation wurde - wie schon 2019 - durch ein sog. sehr starkes "Final Warming" der Stratoshäre nachhaltig verändert, darüber hinaus fand dieses Final Warming sehr spät statt und zog sich recht lange hin. Es begann Anfang April und dauerte bis fast in den Mai hinein an. Diese "Final Warmings" sind nichts besonderes, sie finden jedes Jahr statt und sorgen dafür, daß die athmosphärischen Strömungen auf Sommerzirkulation umstellen.

Aber, durch den anthropogen forcierten Klimawandel und den damit verbundenen starken Eintrag von CO2 und Aerosolen in die Athmosphäre, kommt es vor, daß ein solches Final Warming sehr stark ausfällt und, wie heuer geschehen, dazu noch von recht langer Dauer ist.

Und genau dies - stark und lang anhaltend - war heuer der Fall, wie man auf der grafischen Analyse der NOAA sehen kann :


(C)NOAA

Wie man sehen kann ist der Ausschlag des Final Warming heuer deutlich stärker als 2019 und länger anhaltend.

Dieses starke Final Warming sorgte schon wieder für eine starke Schwächung des Polarfrontjetstream:


(C)NOAA

Es zeigt sich aber eine Besonderheit : Ein starker Ast des Jetstream ausgehend von Grönland über Island und quasi fast ganz Europa von Nord nach Süd bedeckend. Und genau diese Besonderheit iniziierte viele Großwetterlagen mit Nordwest / Nord-Charakter, das lässt sich eindeutig in den Tabellen der Großwetterlagen ( wie bspw. unter www.orniwetter.info einzusehen, eine sehr sehr gute Seite! ) nachprüfen.


Wie stark sich dieser Ast des Jetstream auswirkte und immer noch auswirkt, lässt sich gut an den Druckabweichungen des Mai ablesen, die quasi eine Blaupause für das gesamte Frühjahr darstellen, eine ungewöhnliche Persistenz :


(C)NOAA

Nochmal : Daß die Druckabweichungen eines einzelnen Monats sogar für eine gesamte Jahreszeit stehen, ist ungewöhnlich - aber was ist in Zeiten der durch den Menschen katastrophal verstärkten Klimaänderung noch gewöhnlich?


Diese ungewöhnlichen Druckverhältnisse hier nochmal aufgezeigt durch die Darstellung des Jetstream :


 (C))squall.sfsu.edu

Über Europa ist der Polarfrontjetstream quasi nicht existent.


Und diese Umstände führten zur Bildung eines Dreierdruckfelds. Entsteht ein solches, bilden sich drei "Rücken", zwei Tiefdruckgeprägte im Bereich Island / Grönland und ein Hochdruckgeprägter über der Skandinavischen / Nordostrussischen Landmasse, teils reichend bis zur Nordsee. Desweiteren befindet sich - Sic! - ein Fragment des Jetstream im Bereich Britische Inseln. Arktische Kaltluft, angewärmt durch Meerwasser, geht nunmehr den Weg des geringsten Widerstands - in die Lücke, die zwischen dem Skandinavischen Hochdruck und einer Hochdruckbildung im Bereich Britische Inseln entsteht. Man bedenke bitte daß Hochdruckbildung über den Britischen Inseln ganz besonders im Sommer für alles andere als Warnmluft steht!

Ähnlich einer Viererwelle zeichnet sich auch ein Dreierdruckfeld durch eine starke Persistenz aus und es bedarf starker Warmluftadvektion um diese zu "brechen" und den Umbauprozess auf der Nördlichen Hemisphäre zu forcieren. Symptomatisch hierfür eine Darstellung der Druckverhältnisse auf der NH :

(C)Wetterzentrale

und zwar iniziert durch Warmluftadvektion an der Ostkanadischen Küste und direkt "gegenüber" im ostasiatischen Raum. Diese Warmluftadvektion hielt auch bis mitte Mai an, war aber nicht in der Lage, etwas signifikant an den Druckverhältnissen zu ändern :

(C)Wetterzentrale

Kommen wir zu den Anomalien der Wassertemps, diese sind wie immer sehr wichtig für die weitere Entwicklung.


Diese zeigen, daß sich im Bereich der Azoren recht warmes Wasser befindet, allerdings nördlich und auch östlich davon sehr kaltes Wasser, es wird quasi ein großer Bereich des mittleren Atlantik von eher kühlen bis sehr kaltem Wasser dominiert, auch dies eher ungewöhnlich für die fortgeschrittene Jahreszeit. Rund um Island und in Ri. Spitzbergen, also im subpolaren Raum, befindet sich recht warmes Wasser, ebenso südlich von Grönland. Der Bereich mit kühlem bis kaltem Wasser ist übrigens aktuell wesentlich kleinflächiger als 2019.

Daraus resultiert, daß das Azorenhoch sich zunächst weit nach Osten zurückzieht und aufgrund der magelnden Dynamik wenig Einfluss auf das Wettergeschehen in ME ausüben wird . Es sind dann zwar Gegensätze vorhanden, diese werden aber nicht stark genug sein um ein starkes atlantisches Blocking mit entsprechender Advektion von Heißluft herbei zu führen. Natürlich wird es dem Azorenhoch das ein-oder andere mal gelingen, einen Ableger Ri. ME zu iniziieren, stabil wird das ganze aber nicht. Ein rascher Wechsel von Vorder-und Rückseiten ist zunächst zu erwarten.

Die weiteren Entwicklungen dürften bis auf weiteres den Weg gehen, der solchen oben genannten Druckgebilden vorbestimmt ist, nämlich den Weg der Abtropfvorgänge in Ri. Iberische Halbinsel / Westeuropa / Mitteleuropa. Und je nachdem, wie sich solche Abtropfvorgänge in Form von Trögen präsentieren, wird entweder warm-heiße und auch feuchte Luft, oder auch eher kühl-feuchte Luft advehiert, manifestiert sich Hochdruck über Skandinavien / Nordost-Russland in Einheit mit Hochdruckbildung über den Britischen Inseln oder westlich davon ( Azorenhoch nördlich versetzt ), so entseht hier eine Lücke, in die arktische erwärmte Kaltluft wieder und wieder stoßen kann. Bis dieses Muster gebrochen wird, kann viel Zeit vergehen.

Das alles wird nicht zur Folge haben daß ME einenm kühlen Sommer entgegen geht, wohl kaum. Aber, der Weg zu stabilem Sommerwetter wird weit und steinig und dürfte sich bis weit in den Juli ziehen, bevor zur 2ten Dekade bzw. in der 3ten Dekade womöglich der Umkehrschwung eingeleitet wird - der dann aber auch ein paar "Anläufe" braucht um sich zu stabilisieren. Bis dahin dürften hauptsächlich Azorenhochkeile und Trogvorderseiten für sommerliche kurze Phasen sorgen. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich Azorenhochkeile hauptsächlich im S/SW von D positiv bemerkbar machen.

Ich rechne mit folgenden Druckabweichungen :


(C)NOAA

Es dürfte sich also eine eher leicht antizyklonal ausgerichtete Achslage bilden, die leicht nördlich orientierte Frontalzone ist jedoch anfällig für Störungen bspw. an der Ostflanke im atlantischen Bereich. Diese Störungen können auch mal wechselhaftes, kühles Wetter zur Folge haben - das passiert in jedem Sommer und gehört zum Mitteleuroäischen Klima dazu - aber ebenso Trogentwicklungen wie oben angesprochen über West & Mitteleuropa, welche dann recht warm-bis heißes aber auch kühles Wetter iniziieren, je nachdem, wie sich entsprechende Troglagen platzieren. Dazu die oben angesprochenen Azorenhochkeile.

Desweiteren dürfte es aufgrund der vorab genannten Trogentwicklungen gut möglich sein daß heuer die Temperaturspitzen deutlich niedriger ausfallen als 2019, dazu ohne mehrere lang anhaltende Hitzewellen. Eine Charakteristik des Sommer 2018 bspw war ja, daß es eher selten zu Temperaturspitzen im Bereich 38° / 39° oder gar nahe an die 40° gab, so wie bspw. 2015 oder ganz besonders 2019.

Ein weiterer wichtiger Punkt wäre die Luftdruckentwicklung ausgehend von der letzten Juni - Dekade bis zum Ende der letzten Juli - Dekade. Verläuft diese Jahreszeitlich gesehen unterdurchschnittlich, so ist leider davon auszugehen daß dann die "Siebenschläferregel" greift. Es ist nicht der einzelne Tag an sich, der hier zu beachten ist, sondern nach Franz Baur ( Vater der Langfristprognosen ) der von mir angesprochene Zeitraum. Sind die Luftdruckwerte unterdurchschnittlich, so ist von einem komplett "durchwachsenen" Sommer auszugehen.

Bei den Großwetterlagen des Sommers dürften Gemischte Lagen und Meridionale Lagen überwiegen, zu nennen wären u.a. Brücke Mitteleuropa ( BM ), Hoch Britische Inseln ( HB ), Hoch Nordmeer-Island antizyklonal ( HNa ) Nordwestlage antiztyklonal ( NWa ) und  kurzzeitig Hoch Mitteleuropa ( HM ). Meridionale Trog & Tiefdrucklagen ( TrW, TrM, TB, TM ) dürften aber wie oben erwähnt ebenso häufig auftreten wie südlich/südöstlich orientierte Lagen ( SEa, SEz ), gemischte kühle Lagen ( bspw. NWz ), spielen auch eine Rolle weil sie für die typischen Einbrüche in einem Mitteleuropäischen Sommer stehen. Zonale Lagen wird es auch geben,  wahrscheinlich  schafft es die zonale GWL Westlage antizyklonal ( Wa ) sich durchzusetzen, die zyklonale Westlage ( Wz ) dürfte es ebenfalls schaffen eine größere Rolle zu spielen, evtl. könnte diese aber im späteren Verlauf des Sommers der Wegbereiter für eine ausgeprägte und recht durchgreifende Hoch / Spätsommer - Hitzewelle ( dann hervorgerufen durch die GWL SWa / SWz / HM ) sein.

Bei der Abweichung zur derzeit aktuellen Klimatologischen Referenzperiode 1961 - 1990 ist +1,5° bis +2,5° zu vermuten. Die große Bandbreite der Abweichung erklärt sich aus den vermuteten Trog&Abtropfvorgängen.

Quelle der NOAA - Plots :  https://www.esrl.noaa.gov/psd/map/
Quelle der SST - Anomalien : http://www.ospo.noaa.gov/Products/ocean/sst/anomaly/
Quelle des Jetstream : http://squall.sfsu.edu/crws/archive/jetstream_archive.html
Quelle der Wetterkarten : www.wetterzentrale.de