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Über Forscher (in Kooperation mit Meteoerror)

Quelle: Blog | https://meteoerror.wordpress.com ein Medienwatchblog, dessen Schwerpunkt auf der Darstellung meteorologischer Sachverhalte in den Medien liegt. über den Autor: abgeschlossenes Diplom-Studium der Meteorologie & Geophysik in Innsbruck | seit 2010 Berufsmeteorologe | umfassendes Interesse für meteorologische Phänomene wie Föhn, Tornados, Gewitter, Schnellläufer (Stürme), Talwindsysteme | fühlt sich dem Gewissen verpflichtet, über irreführende Darstellungen meteorologischer Sachverhalte in den Medien aufzuklären.

Klimawandel: Schneebruch und Lawinen

hochthron

Berchtesgadener Hochthron (Untersberg), Südostflanke, am 20. Jänner 2019

Im letzten Beitrag habe ich versucht, das 14-tägige Schneefallereignis im Kontext vom Klimawandel einzuordnen. Im folgenden Text möchte ich auf die Auswirkungen eingehen und wie diese sehr wohl mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehen.  Nach dem endgültigen Abklingen der Schneefälle am Dienstagmorgen, 15. Jänner 2019, sowie dem geringfügigen Neuschnee-Ereignis (5-15cm) mit der Kaltfront am Donnerstag, 17. Jänner 2019, wurde das ganze Ausmaß des Dauerschneefalls erst deutlich.

Staub- und Gleitschneelawinen

 

Die Luftbilder von Gerald Lehner (ORF) zeigen eindrucksvoll die Schneemassen entlang der Nördlichen Kalkalpen, Schwerpunkt der Aufnahmen sind die Berchtesgadener Alpen. Teilweise werden riesige Anrisse von Gleitschneelawinen gesichtet, wie sie seit über 50 Jahren nicht mehr aufgetreten sind. An der Südflanke des Dachsteins unterhalb der Scheichenspitze (2667m) hat sich eine Lawine gelöst, die das Ortsgebiet von Ramsau erreicht hat. Eine weitere Lawine ging von der Steinplatte (Loferer Alm) auf den Pass Strub ab. Wegen dem Abgang einer Staublawine vom Tennengebirge musste der Bahnverkehr zwischen Golling und Werfen tagelang gesperrt werden. Ein anderes Problem beschäftigte die Gemeinden Abtenau und Weißbach bei Lofer, hier bedrohten langsam abrutschende Gleitschnee- bzw. Drucklawinen einzelne Bauernhöfe und Häuser, zerdrückten teilweise Heustadel und Garagen und verschütteten Zufahrten meterhoch. (Lawinenkunde)

gleitschneelawine

Gleitschneelawine im 35-40° steilen südseitigen Hanggelände (800m) unterhalb des Rauchenbühels bei Salzburg, 20. Jänner 2019

Bodenwärmestrom begünstigt Lawinen

Lawinen an sich sind ja nichts ungewöhnliches, ein Problem dabei ist aber, dass Gleitschneelawinen diesen Ausmaßes regionsweise noch nie beobachtet wurden. Die Ursache dafür sind die zu warmen Böden vor Beginn des Ereignisses, und zumindest indirekt das rekordwarme Jahr 2018 bis weit in den Herbst hinein. Tendenziell verschoben sich in den vergangenen Jahren die ersten Nacht- und stärkeren Bodenfröste immer weiter in den Frühwinter. Das erste größere Neuschneeereignis fand häufig bei zu warmen Boden statt. Die erste Schneedecke isoliert den Bodenwärmestrom und verhindert eine weitere Auskühlung. Dieses Phänomen beobachten wir in den letzten Jahren immer häufiger. Meist sorgen Setzungsprozesse durch Zwischenhochphasen aber für Entspannung und die Lawinengefahr erreicht keine besorgniserregenden Ausmaße. In diesem Fall fielen jedoch akkumuliert 3-4m Neuschnee in höheren Lagen und 2-3m Neuschnee in tiefen Lagen ohne längere Pausen auf einmal. Selbst bei flacher Hangneigung (unter 30 Grad) sorgt irgendwann das Eigengewicht der Schneedecke für zunehmende Abwärtsbewegungen. Auf dem nassen Gras kann die gesamte Schneedecke bis zur Grasnarbe abrutschen, so wie im Beispiel Abtenau. Dort wurde das Gesamtgewicht auf 40 000 Tonnen geschätzt – eine Masse, die sich nicht mehr stoppen, sondern nur noch umleiten lässt.

In höheren Lagen (oberhalb der Waldgrenze) spielt der ungünstige Schneedeckenaufbau eine weitere Rolle. Inmitten der Neuschnee-Ereignisse mit kräftigem Warmfrontniederschlag waren immer wieder längere Höhenkaltluftphasen eingelagert, mit Graupelniederschlag, der zu Schwachschichten in der Schneedecke führt. Mit dem Ende der Schneefallperiode hat sich in mittleren und tiefen Lagen ein Harschdeckel gebildet, darüber und in höheren Lagen mit dem einsetzenden Dauerfrost zunehmende Reifablagerungen. Das wird für die nächsten Neuschnee-Ereignisse wieder eine Schwachschicht bedeuten, auf der Schneebretter abrutschen können.

Schneebruch zwischen 700 und 1200m

Ein anderes Problem stellen die Schneemassen für den Waldbestand dar. Eigentlich deuten alle Klimaprognosen auf eine weitere steigende Schneefallgrenze in den nächsten Jahren und Jahrzehnten hin. Der Umstand, dass etwa in Niederösterreich etliche unterhalb 1200m Seehöhe gelegenen Schigebiete mangels Naturschnee schließen mussten, bestätigt diese Entwicklung. Unterhalb 1500m hat sich die Anzahl der Schneedeckentage deutlich verkürzt. Insofern handelt es sich bei ersten Jännerhälfte 2019 um ein absolutes Ausnahmeereignis entgegen dem Klimatrend. Der Waldbestand ist robuster gegen große Neuschneemengen mit steigender Höhe, eine Anpassung der Vegetation an die durchschnittlichen Schneeverhältnisse über Jahrhunderte hinweg gesehen. Bei diesem Ereignis sind jedoch große Neuschneemengen schon ab 700m Seehöhe gefallen. Um diesen Höhenbereich sind die größten Schäden (geknickte Baumkronen, gebrochene Äste, umgestürzte Bäume) zu beobachten, denn mit der pendelnden Schneefallgrenze mischte sich immer wieder Regen oder großflockiger Nassschneefall in den Dauerschneefall, was das Gesamtgewicht der Schneedecke erhöhte.

Beispiele für Orte an der Schneefallgrenze, die besonders von Schneebruch betroffen waren:

Zwischen Unken und Kniepass vor dem Gehöft Brentner, zwischen Fagerreit und Rauchenbühel (Aigen, Glasenbach), am Haunsberg sowie im nördlichen Flachgau zwischen Ebenau, Hof und Fuschl.

Weitere Faktoren sind …

  • der mit der Höhe zunehmende Wind, sodass die windschwachen tiefen Lagen vertikal gesehen mehr Schnee anhäufen konnten und weniger von den Bäumen geweht wurde.
  • auch hier das Problem mit dem Bodenwärmestrom, sodass schwer beladene Bäume nicht nur brachen, sondern zur Gänze umstürzten.
  • in Mischwäldern könnte zusätzlich hinzukommen, dass der Boden durch den trockenen Herbst mit exzessiver Laubablagerung ebenfalls isoliert wurde.

In höheren Lagen waren die (Nadel-)Bäume robuster, der Boden gefroren bzw. durch zunehmende Reifablagerungen stabiler „verwurzelte“ Individuen. Hier gab es vor allem verbreitet Stammbrüche, wobei nicht klar ist, wieviel von der Schneelast und wieviel vom Sturm (bzw. beidem) verursacht wurde.

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Am Gaisberg unterhalb von 900m Seehöhe vor allem abgeknickte Kronen und abgebrochene Äste, Höhe Gersbergalm

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In 1200m Seehöhe am Gaisberg vermehrt Stammbrüche

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Am Plateaurand vom Gaisberg (Ostseite)  stellenweise Totalschäden an Laubbäumen (gespalten, umgestürzt, massiver Astverlust

Die Entwarnung, was das Ausmaß des Schneebruchs betrifft, gilt vorläufig nur für Teile des Tennengaus und Pongaus, die alleine aufgrund der Höhenlage natürlich begünstigt sind bzw. mit klimatologisch den absoluten Schneehöhen angepassterem Waldbestand.

Noch überhaupt nicht beziffert werden können die Schäden in der Forstwirtschaft an Güter- und Forstwegen in unbesiedelte Wald- und Bergregionen, geschweige denn zerstörte oder verlegte Wanderwege. Das wird sich erst im Frühjahr nach der Schneeschmelze zeigen. Schon im Spätwinter werden weitere Schäden hinzukommen, die durch den massiven Wassereintrag in den Boden entstehen, mit steigendem Grundwasserpegel. Schon eine Ironie der Natur, dass im Vorjahr Brunnen ausgetrocknet sind und nur wenige Monate später mit dem Abschmelzen der Schneemassen Keller überflutet werden könnten. Die wohl größte Sorge ist jedoch die vor einem großen Hochwasser im Frühling bzw. Frühsommer, wie es an Pfingsten 1999 („Lawinenwinter Galtür“) aufgetreten ist. Das vergangene Jahr zeigte eindrucksvoll, dass auch überdurchschnittliche Schneehöhen zu Winterende ganz unspektakulär abtauen können. Zwei viel zu trockene Frühjahre in Folge wären allerdings doch eher überraschend.

Und eines ist klar: Wir schreiben heute erst den 23. Jänner, in mittleren Lagen dauert der Winter noch mindestens sechs bis acht Wochen, die großen Neuschneemengen im Hochgebirge können auch später noch kommen. Der Höhepunkt ist also noch nicht erreicht, was die Gesamtschneehöhen betrifft.

Klimakrise? Schneemassen in den Nordalpen: Eine Einordnung.

Die sich abzeichnende vierte Nordstaulage (2-3.1., 5.-6.1., 8.-10.1. und nun 13-14.1.)  innerhalb von nur zwei Wochen sorgt für zunehmenden Diskussions- und Handlungsbedarf. An der Alpensüdseite hingegen herrschen bis rund 1500m hinauf teilweise apere Verhältnisse. Das letzte markante Niederschlagsereignis war hier die extreme Südstaulage Ende Oktober 2018. Mir persönlich missfällt der Begriff Klimakrise. Vielleicht, weil ich den Begriff Krise selbst schon nicht mehr hören kann. Die Wirtschaftskrise, die Flüchtlingskrise, die Klimakrise. Letztere geht nicht einfach vorüber und man kann die Schuld auch nicht so einfach abschieben an andere, man kann den Handlungsbedarf auch nicht anderen umhängen. Klima geht uns alle an, und zwar langfristig, und beim derzeitigen Zustand des Planeten und den ökologischen Katastrophen, von der Abholzung des Regenwalds (künftig unter dem faschistischen Präsidenten Brasiliens beschleunigt) über den anhaltenden Kohlendioxidausstoß der Schwellen- und Industrieländer bis hin zum Insekten- und Säugetiermassensterben weltweit, wird uns der Klimawandel wohl bis in die letzten Generationen der Menschheit beschäftigen. Eine Krise geht vorbei, der Klimawandel hingegen ist systemimmanent. Ich wurde gefragt, wie man die klimatologischen Verwerfungen denn sonst nennen solle. Klimakatastrophe klingt zu dramatisch, Klimawandel zu harmlos, Klimaerwärmung zu positiv. Hier stoßen wissenschaftliche Fakten und notwendiger Populismus, um Handlungsbedarf zu erzwingen, aufeinander. Medien neigen schnell dazu, Einzelereignisse als Beleg für die Klimakrise zu werten, in manchen Fällen wäre es naheliegend, wie beim Hochwasser im Juni 2013, in anderen sind die Messreihen viel zu kurz, wie bei der Häufigkeitsverteilung von Tornados in Mitteleuropa.

Das Problem ist der fehlende Kontext. Man traut der Bevölkerung offensichtlich nicht zu, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Der Zusammenhang ist leider nicht so einfach, dass die globale Erwärmung vor der Haustür mehr Regen vom Himmel fallen lässt. Die Wettersysteme, die hierzulande Dürren oder Hochwasser hervorrufen, werden von einem komplexen Zusammenspiel der Ozeane und Atmosphäre gesteuert. Veränderte Windsysteme bewirken eine Veränderung der Meeresoberflächentemperaturen. Veränderungen der Ozeane selbst durch Erwärmung oder Abkühlung wiederum bewirken eine Veränderung der Wettersysteme, die auch die Windsysteme steuern. Es ist also alles miteinander verzahnt. Die globale Erwärmung ist also keine Gerade, die von der Erwärmung des Planeten direkt vor die Haustür reicht, sondern hochgradig nichtlinear mit vielen Schritten dazwischen, also veränderte Zugbahnen und Aufenthaltsdauer von Hoch- und Tiefdruckgebieten.

[…]  „Es gibt Anzeichen, dass Wetterlagen länger anhalten. Eine extreme Wetterlage, wie der Nordstau jetzt oder eine Hitzewelle im Sommer, hat somit größere Auswirkungen“, sagte Olefs. „Der Grund für den langsameren Wechsel von Großwetterlagen könnte eine Änderung der Temperaturunterschiede auf der Nordhalbkugel sein. Durch das Schmelzen des arktischen Eises ist der Nord-Süd-Temperaturunterschied geringer geworden. Das wirkt sich auf die Dynamik der Hoch- und Tiefdruckgebiete aus.“ Einzelne Ereignisse wie die aktuelle Schneesituation in den Alpen ließen sich jedoch mit dem aktuellen Wissen nicht direkt mit diesen Mechanismen begründen. […]

Quelle: http://orf.at (abgerufen am 12.01.19,16.10)

Das Problem an der jetzigen Wetterlage ist, dass es sich um eine hochgradig dynamische Wetterlage mit teilweise stürmischen Episoden handelt. Die Natur ist bestrebt, Ungleichgewichte auszugleichen. Potentielle Energie wird in kinetische Energie (Bewegung, Wind) umgewandelt, Stürme entziehen dem Grundstrom Energie, bis sich wieder Hochdruckphasen einstellen. In den vergangenen Jahren haben wir oft kurze stürmische Episoden gesehen (Orkan Christian 2013, Herwart Oktober 2017, Burglind Jänner 2018, Fabienne im September 2018 und etliche dazwischen, die mir gerade entfallen sind), aber keine wochenlangen Sturmserien mehr wie im Dezember 1999 (Orkan Anatol und Lothar, Martin) oder, wenn man noch weiter zurückgeht, 1990 und 1991. Damals ist man davon ausgegangen, dass solche Stürme in Zukunft häufiger werden. Stattdessen war nach Orkan Lothar 1999 eine längere Flaute und die klassischen Winterstürme der letzten 10 Jahre, seit Kyrill 2007 und Emma 2008, erreichten nicht mehr die Intensität und flächenbezogene Ausdehnung ihrer Vorgänger.

Stürmisch bedeutet nicht zwingend schneereich, vor allem nicht in Lagen unterhalb von 1500m, wie der Mildwinter 2006/2007 eindrucksvoll zeigte. Schneereiche Winter waren wiederum häufig die Folge monatelanger Akkumulationen, unterbrochen von sehr kalten Phasen, wie im Lawinenwinter 1998/1999 oder 2005/2006.

So gesehen ist die aktuelle Wetterphase seit Jahresbeginn ein Ausreißer in jeder Hinsicht: An vielen Talorten, aber selbst auf den Bergen sind neue Jänner-Rekorde gemessen worden, Schneehöhen, wie sie nur alle 30-100 Jahre vorkommen (Quelle: ZAMG). Und der Winter dauert noch mindestens zwei Monate! Selbst mit zwischenzeitlichen Setzungsprozessen sind neue Langzeitrekorde sehr wahrscheinlich. Gleichzeitig übertrifft die Intensität der Niederschläge, mit Gesamtmengen über 250-400mm innerhalb von 14 Tagen, durch insgesamt 4 Nordstaulagen (die kommende mit einberechnet) jene aus früheren Nordstau-Episoden, z.b. im Jänner 2012 (4-27.1.).

zugbahnenwinter

Die Skizze veranschaulicht die dominanten Zugbahnen und Strömungen über Mitteleuropa: Die Linie stellt die Hoch-Tief-Verteilung in der mittleren/oberen Atmosphäre (5-9km) dar , jeweils mit dem hoheren Luftdruck über Westeuropa, je nach Konstellation nach Westen oder Osten verschoben. Der Kreis symbolisiert die Lage des wetterbeeinflussenden Tiefdruckgebiets zum Zeitpunkt der Winterniederschläge. Mit Pfeilen außerdem gezeigt die Strömung in Bodennähe (0-3km).

In den vergangenen Wintern, insbesondere 2012/2013, 2013/2014, dominierte vor allem die türkise Variante, mit einem soweit westlich verschobenen Trog, dass sich auf dessen Vorderseite ein Italientief nach dem anderen über die Alpen nordostwärts schob. Das sorgte natürlich an der Alpensüdseite für viel Neuschnee und deutlich weniger an der Alpennordseite (In Kartitsch im Lesachtal akkumulierten sich im Winter 2013/2014 insgesamt 1400cm Neuschnee, Lawinenreste hielten sich selbst im Spätsommer bis 1500m herab.). In anderen Wintern blieben die Nordwestlagen oft nur von kurzer Dauer und mit Tief über Osteuropa (rote Variante), damit war auch das Hoch weit nach Osten verschoben, sodass die westlichen Nordalpenregionen kürzer in den Genuss der feuchten Nordwestströmung gerieten. Das Tief zog rasch ab, der Nordstau ließ nach, der Einfluss des Hochs im Westen nahm wieder zu. In der aktuellen Wettersituation vom 02. bis einschließlich 15. Jänner 2019 haben wir es mit der schwarzen Variante zu tun:  Die Keil-Trog-Konstellation ist so gelegen, dass weite Teile der Nordalpen in den vollen Einfluss der Nordwestströmung gelangen und zwar mit Nähe zum Tiefdruckgebiet und damit auch hochreichend feucht und nicht durch trockene Luftmassen in mittleren Schichten abgeschwächt.

In meinen Augen passt die türkise Variante mit südlich verschobener Westwetterlage und vermehrten Adria/Italientieflagen eher in die Hypothese der sich abschwächenden Druck- und Temperaturdifferenzen in den Mittleren Breiten als eine zweiwöchige Sturmphase, wie wir sie derzeit vorfinden.

[…] In tiefen Lagen, unterhalb von etwa 1.500 Meter Seehöhe, sehen wir seit den 1960er Jahren eine langfristige Abnahme der Schneemengen, die vor allem durch die Klimaerwärmung verursacht wird und mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten anhält. In Lagen von 1.500 Metern bis ins Hochgebirge könnten die Schneemengen in Zukunft hingegen zunehmen, allerdings gibt es in den Klimamodellen große Unsicherheiten bei den Niederschlagsszenarien.“

Quelle: Quelle: http://orf.at (abgerufen am 12.01.19,16.10)

Auch das widerspricht den beobachteten massiven Neuschneemengen in etlichen Talregionen zwischen 500 und 900m, also noch deutlich unter der Grenze von 1500m. Zumindest in den Niederungen ist dieses Ereignis völlig gegen den Trend der letzten Jahrzehnte.

Also gar kein Zusammenhang mit dem Klimawandel? Das ist auch nicht ganz richtig, denn das rekordwarme Jahr 2018 mit insgesamt zehn Monatsmitteln über dem Durchschnitt und einer teilweise beispiellosen Trockenperiode führte zu einer überdurchschnittlichen Erwärmung der Europa umgebenden Meeresoberflächen:

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Wöchentliche Abweichung der Meeresoberflächentemperatur vom langjährigen Durchschnitt 1971-2000 (Quelle: https://iridl.ldeo.columbia.edu/maproom/Global/Ocean_Temp/Weekly_Anomaly.html)

Hier zeigt sich, dass die Nordsee zu Jahresbeginn rund 1 bis 1,5 Grad zu warm war. Zwar macht das nur rund 5 % Zunahme an Niederschlagseffienz pro Grad Erwärmung aus, doch summiert sich das bei vier Nordstaulagen in 14 Tagen. Ein kleiner Anteil der extremen Niederschlagsmengen ist also schon der Erwärmung der Ozeane zuzuschreiben, der Löwenanteil geht an die „perfekte“ Anströmung.

Ist doch gut, werden jetzt manche sagen, dann sind die Gletscher für wenigstens ein Jahr gerettet. Wie das vergangene Jahr allerdings gezeigt hat, nützen auch hohe Schneemengen im Hochgebirge wenig, wenn das Frühjahr und der anschließende Sommer beständige Hitze und Trockenheit mit sich bringen. Nur ein nasses Frühjahr und ein kühler Sommer würden die gefallenen Schneemengen auf den Gletschern konservieren. Im Hochgebirge ist die Schneeverteilung durch den andauernden Windeinfluss allerdings sehr unterschiedlich und der Schnee teils völlig verblasen worden. Mehr dazu von Gletscherforscher Georg Kaser von der Uni Innsbruck.

Bleibt zuletzt … der Hinweis auf den Kontext: Klimaerwärmung, globale Erwärmung sind wissenschaftlich zutreffende Beschreibungen dessen, was sich derzeit auf dem Planeten Erde abspielt. Ob das jetzt zu positiv klingt oder nicht, das Urteil darüber sollte der Kontext liefern. Kontext heißt, die Arktis und die Ozeane erwärmen sich viel schneller als berechnet, ein Dominoeffekt kommt in Gang, mit den an sich bekannten weniger schönen Folgen. Wenn renommierte Tageszeitungen wie „The Guardian“ oder „New York Times“ darüber seitenlange Reportagen zustandebringen, sollte das auch bei uns möglich sein, und zwar nicht irgendwo versteckt in Wochenendbeilagen, sondern auf der Titelseite.

Ob der jetzige Rekordschnee wieder zu einem verheerenden Hochwasser wie im März 2006 an der Elbe (viel Schnee im Erzgebirge im Winter 2005/2006) oder Pfingsten 1999 an der Donau und im Nordalpenraum („Galtür-Winter“ 1999) führt, bleibt ungewiss. Die überdurchschnittlichen Schneehöhen im Spätwinter 2017 wurden durch das trockene Frühjahr durchwegs schonend abgebaut.