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Altweibersommer?

Eine Wochenvorschau mit einem Donut, einem Marathon-Mann, einigen Spinnen, Göttinnen, Großvätern und mit einer Gerichtsverhandlung. Und fast alles dvon dreht sich irgendwie um den Begriff „Altweibersommer“.

Es ist Freitag, es ist Zeit für die Wochenvorschau, Zeit für den Blick weit in die nächste Woche hinein. Da wo die Vorhersagen noch sehr unsicher sind und trotzdem – oder vielleicht sogar deshalb – auch sehr interessant.

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Ein schönes Wochenende mit einem kleinen Fragezeichen…

Sicher ist auf jeden Fall die Wetterlage an diesem Wochenende: Samstag und Sonntag bringen viel Sonnenschein in Österreich. In der Früh ist es jeweils kalt, mit einstelligen Temperaturen, am Nachmittag hat es dann um die 20 Grad. Am Sonntag könnte sich mit leichtem Föhn sogar ein Sommertag ausgehen, also ein Tag mit einer Höchsttemperatur von zumindest 25 Grad. Das vor allem stellenweise in Salzburg, Tirol und Vorarlberg.

Ein kleiner Unsicherheitsfaktor ist am Wochenende: Wie schnell lösen sich die Nebelfelder auf. Das sollte aber doch überall noch im Laufe des Vormittags passieren.

… und einem schnellen Läufer

Es gibt übrigens auch einen, dem sind Sonnenschein und warmes Wetter egal. Er freut sich auf einen kalten Start in den Samstag, mit nur sieben Grad in der Früh in Wien: Der Marathon-Profi Eliud Kipchoge nutzt die idealen Bedingungen für den Versuch, als erster Mensch einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen. Rund 30 TV-Stationen übertragen live in rund 200 Länder. Schon seit mehr als einer Woche sind die Veranstalter täglich im Kontakt mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), um den optimalen Termin für den Rekordversuch zu finden: trocken, kühl, kein Wind. Morgen Samstag ist es dann so weit.

Rekordwetter am Samstag? Eliud Kipchoge beim Training mit seinem Team.Credit: Dan Vernon / INEOS 1:59 Challenge

Ein Donut: etwas Gutes mit einem Loch in der Mitte

Aber jetzt zur kommenden Woche. Da ist es momentan sehr schwierig, die markanten Details herauszuarbeiten. Die Prognosen ändern sich von Modell zu Modell nicht nur ein wenig, sondern ganz deutlich. Ein Ablauf ist dabei einigermaßen gleich immer wieder dabei:

  1. Bis Montag (14.10.) hält sich das ruhige Herbstwetter, mit viel Sonnenschein und ein paar zähen Nebelfeldern.
  2. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag macht ein relativ kleines aber sehr lästiges Tiefdruckgebiet, das von West nach Ost durchzieht, die Prognose derzeit noch völlig unmöglich (Bild 1 a). Irgendwann dürften Mitte der Woche Regenschauer durchziehen, wie das genau abläuft, wird sich aber erst in den nächsten Tagen langsam herauskristallisieren.
  3. Ebenfalls noch unsicher, aber in den Modellen doch etwas einheitlicher, sieht es Richtung Wochenende aus. Da könnte sich dann wieder sehr mildes Wetter einstellen, mit einer föhnigen Südströmung. Im Süden Österreichs, vor allem in Osttirol und Oberkärnten stauen sich bei so eine Wetterlage allerdings gerne auch (Regen-)Wolken. Und insgesamt lässt sich nicht von einem klassischen Altweibersommer sprechen, weil uns Richtung Wochenende ein recht kräftiges und großes Tiefdruckgebiet sehr nahe kommt (siehe Bild 2 b). Diese Tief dürfte aus aktueller Sicht verhindern, dass sich über Mitteleuropa eine stabile Wetterlage aufbaut.

In der Kurzfassung sieht die nächste Woche also irgendwie nach einem Donut-Wetter aus: In der Mitte dürfte ein (wechselhaftes) Loch sein, aber rundherum (also am Anfang und am Ende der Woche) ist es wahrscheinlich halbwegs freundlich.

Bild 1a (links): Ein kleines Tief (Ta) macht die Prognose Mitte der Woche derzeit noch völlig unsicher.
Bild 2a (rechts): Ende nächster Woche wahrscheinlich kräftige, milde Südströmung. Aber das Tief über England (Tb) kommt „gefährlich“ nahe. Credit: windy.com

Altweibersommer: Frauen, Göttinnen, Spinnen oder ganz was anderes?

Auch wenn es derzeit nicht nach einem längeren, stabilen Altweibersommer aussieht: Sehen wir uns doch zum Schluss noch an, woher der Begriff überhaupt kommt. Immerhin hat dieses Wort sogar schon einen Richter beschäftigt.

Inhaltlich ist es übrigens leichter: „Altweibersommer“ bezeichnet eine eine stabile Hochdrucklage in Mitteleuropa im (Früh-)Herbst.

Die Herkunft des Begriffs ist nicht so klar. Es gibt unterschiedliche Erklärungen, einige zum Beispiel in einem guten Wikipedia-Eintrag, der verschiedene etymologische Quellen zitiert (->hier).

Was weiß Thekla über das Wetter? Credit: Wetterzeit/Thomas Wostal

Balloning: spektakuläre Reise mit ungewissem Ende

Eine Variante ist: Das Wort kommt von „weiben“, dem althochdeutschen Begriff für „weben“. Diese Erklärung hängt mit den Spinnweben zusammen, die wir im Herbst oft durch die Luft segeln sehen. Dafür streckt die Spinne ihren Hintern in den Wind und produzieren einen Faden. Ist der Faden lange genug, fliegt die Spinnen an ihrem Faden davon. Ein kurzer Check in wissenschaftlichen Arbeiten mittels google-scholar zeigt: So sind Flughöhen von einigen Tausend Metern möglich und Strecken von über 100 Kilometern. Diese Methode des „Balloning“ erlaubt sehr effizient die Ausbreitung der Spinnen, allerdings nicht immer mit gutem Ende: Viele werden noch während des Flugs von Vögeln gefressen.

Übrigens hört man im Zusammenhang mit Altweibersommer fast nur von den fliegenden Spinnfäden. Im Herbst sieht man aber wegen der Tautropfen in der Früh auch sehr gut die Netze der Baldachinspinnen in den Wiesen (Bild). Was auch zum weiben/weben passt.

In den kalten Herbstnächten bildet sich Tau auf den Spinnennetzen. Dadurch sind sie in der Früh gut sichtbar. Credit: Wetterzeit/Thomas Wostal.

Großvatersommer?

Eine andere Erklärung des Begriffs Altweibersommer bleibt näher beim Wort. Es soll damit der letzte Abschnitt des Sommers bezeichnet werden. Dazu würden auch der schweizerische Begriff „Witwesömmerli“ und der bayrische Begriff „Ähnlsummer“ (Großvatersommer) passen.

Beim Deutschen Wetterdienst habe ich auch noch eine weitere Erklärung gefunden (->hier): „…. Mit der Bezeichnung Altweiber wird … ein Bezug zu mythologischen Schicksalsgöttinnen hergestellt (z. B. Nornen), welche allwissend die Lebensfäden der Götter und Menschen spinnen…“.

Das Landgericht Darmstadt hat entschieden…

Der Deutsche Wetterdienst hatte mit dem Altweibersommer übrigens schon ein sehr weltliches Problem. Ein ältere Dame störte die Verwendung des Begriffs „Altweibersommer“ im Wetterbericht und klagte den Deutschen Wetterdienst. Ihre Begründung: Der Begriff sei in Bezug auf Geschlecht und Alter eine Herabwürdigung uns solle in den für die Medien gefertigten Wetterberichte unterlassen werden.

Das Landgericht Darmstadt hat die Klage in eine Urteil vom 8. Dezember 1988 abgewiesen. Das Urteil in Kurzfassung: „Die Verwendung des Begriffs „Altweibersommer“ im Wetterbericht stellt keine frauenfeindliche Diskriminierung dar und sei auch kein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte älterer Frauen. Weiters sei der Begriff seit Jahrhunderten im deutschen Sprachgebrauch fest verankert und stehe eigentlich für angenehme Wetterphase.“

Wer sich für die juristischen Details interessiert, findet bei einer Websuche von „LG Darmstadt Az.: 3 O 535/88“ den gesamten Urteilsspruch.

AIW!

Also: Wenn ihr in den nächsten Tagen Spinnenfäden in der Sonne oder mit Tautropfen benetzt glänzen seht, wisst ihr: Zum Thema Altweibersommer gibt es viele, viele Geschichten.

In diesem Sinne: Vielen Dank für Deine Zeit mit der Wetterzeit! Und jetzt AIW: Ab ins Wochenende! Ins sonnige Wochenende!

Wintereinbruch oder sonniges Herbstwetter?

Wie immer am Freitag: die Wochenvorschau. Bringt die kommende Woche eine markante Entscheidung in der Großwetterlage oder geht es herbstlich gemischt weiter?

Bevor wir uns die nächste Woche ansehen, noch schnell ein Blick zurück: Die letzte Wochenvorschau hat über weite Strecken gut gepasst, mit stürmischem Wind am Montag, einem milden Dienstag und polarer Kaltluft zur Mitte der Woche. Die deutliche Erwärmung zum Wochenende hin (zu diesem Wochenende) erleben wir aber – leider – nicht. Denn wie befürchtet ist der ehemalige Hurrikan Lorenzo sehr unberechenbar und lag in den Vorhersagen jeden Tag ein wenig anders.

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Morgen Samstag (5.10.) ziehen die Reste von Lorzenzo jeden Fall über Mitteleuropa und bringen uns in Österreich nasskaltes Wetter. Der Sonntag sieht dann eine Spur freundlicher aus, allerdings für Anfang Oktober auch ein paar Grad zu kühl.

Aber jetzt der Blick in die mögliche Wetterentwicklung in der kommenden Woche.

Nachwehen von Ex-Hurrikan Lorenzo zu Wochenbeginn

Am Montag ist von Lorenzo zwar in den Wetterkarten nichts mehr zu sehen. Aber er hinterlässt uns eine kalte Nordströmung, siehe Bild 1. Das bedeutet zum Beispiel: Höchsttemperaturen selbst in den Landeshauptstädten nur um die 10 Grad und im Bergland möglicherweise auch ein paar Schneeflocken, bei einer Schneefallgrenze um die 1000 Meter – als relativ weit herunten.

Bild 1: Am Montag strömt polare Kaltluft in den Großteil von Österreich. Credit: windy.com

Dienstag: der Wind dreht

Am Dienstag ändert sich die Großwetterlage deutlich. Die großräumige Luftströmung dreht auf West, siehe Bild 2. Das bedeutet zwei Dinge: Erstens: Es wird spürbar milder. Denn die Luft kommt aus den immer noch relativ warmen Regionen des Atlantiks. Vor der Westküste Frankreichs zum Beispiel hat das Meer derzeit um die 18 Grad. Zweitens: Eine Westströmung bedeutet aber auch recht wechselhaftes Wetter. Weil dann in schneller Folge abwechselnd feuchtere und mildere Luftmassen zu uns nach Österreich ziehen. Bei diesen West-Wetterlagen ist eine Prognosen so weit in die Zukunft sinnlos, weil sich da in den nächsten Tagen erfahrungsgemäß die Details immer wieder ändern.

Bild 2: Alles anders ab Dienstag: Westwind bringt milde und wechselhafte Tage. Credit: windy.com

Am Wochenende wärmer?

Und wo bleibt der Altweibersommer, also eine stabile, sonnige und milder Wetterlage? Um ehrlich zu sein: Konkrete Anzeichen dafür gibt es keine. Aber: Einige Vorhersagemodelle deuten für das Wochenende immerhin vorsichtig eine Südwestströmung und ein zartes Hochdruckgebiet an, siehe Bild 3. Da wären dann Samstag, Sonntag sogar an die 20 Grad möglich. Das ist allerdings noch mehr Wunschdenken als Prognose – es gibt auch Modell die zeigen für das Wochenende nur 10 °C und weniger….

Bild 3: Für das Wochenende zeigen einige Modelle sehr mildes Südwestwetter. Credit: windy.com

30 Grad im Oktober in Österreich?

Möglich ist in einem Oktober auf jeden Fall viel. In der Rekordliste der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) findet man sogar Hitzetage im Oktober:

Der Österreich-Rekord für einen Oktober-Tag liegt bei 30,2 °C, gemessen am 4. Oktober 1966 in Fussach. Und das ist gleichzeitig auch der Vorarlberg-Rekord.

Ebenfalls einen Oktober-30er hat das andere Ende Österreichs zu bieten: Der Burgenland-Rekord liegt bei 30,1 °C, gemessen am 1. Oktober 1956 in Eisenstadt.

Von so hochsommerlichen Temperaturen sind wir nächste Woche aber ganz sicher weit entfernt. Es bleibt beim Hin und Her von kühleren und milderen Tagen.

In einer kurzen Zusammenfassung klingt die Wochenvorschau so: Am Montag kalt, ab Dienstag wahrscheinlich etwas mildere Tage mit einem Wechsel aus Sonne, Wolken zeitweise auch Regen. Richtung Wochenende dann Chancen auf deutlich wärmeres Wetter – aber mit einem sehr großen Fragezeichen. Stabile, sonniges Herbstwetter ist vorerst nicht in Sicht.

Genießen wir daher einfach, was kommt. Zum Beispiel das bevorstehende Wochenende. Vielen Dank für Deine Zeit mit der Wetterzeit, bis zum nächsten Mal!