Kategorie-Archiv: Faszination Wetter [Blog]

Um nicht dauernd auf das Copyright hinweisen zu müssen: Daten stammen von NOAA, NCEP, wetterzentrale.de, wetter3.de und anderen

nasse September-Bilanz

War noch im August die Trockenheit der letzten Monate allgegenwärtig, so stellte sich pünktlich mit dem meteorologischen Herbstbeginn die Wetterlage um. Immer wieder zogen in kürzeren Abständen Schauer- und Niederschlagsgebiete übers Land. So richtig nass wurde es allerdings im weiteren Verlauf von 17. bis zum 20. des Monats, als ein Tiefdruckgebiet vom Mittelmeer kommend für Feuchtenachschub sorgte. Allein in diesem Zeitraum prasselten 59 Liter pro m² vom Himmel – mehr als das langjährige Niederschlagssoll von 55 Liter/m² (1992-2010). Am Ende kann eine Niederschlagssumme von 90,8 Liter/m² verzeichnet werden, was einem Überschuß von 65 % gleich kommt.

Trotz zweier Sommertage (9. und 14.) und dem überdurchschnittlichen Temperaturniveau in der ersten Monatshälfte, fällt die Temperaturbilanz leicht negativ aus (-0,5 Grad). Mit Beginn der sehr nassen Wetterphase sanken die Temperaturen deutlich unter die für diese Jahreszeit üblichen Werte und erholten sich bis zum Monatsende kaum noch.

Verifikation Sommerprognose

Herr : Es ist Zeit. Der Sommer war groß - aber bei weitem nicht überall!

Auffallend war im zurückliegenden Sommer die große Diskrepanz des Wetters in Mitteleuropa. Im nördlichen Bereich fehlten stabile Sommerliche Lagen fast völlig, weiter südlich wechselten sich stabile und instabile Phasen munter ab, und je weiter man nach Süden gelangte umso wärmer und heißer wurde es, jedoch fehlte auch hier nicht eine gewisse Instabilität.

Reduziert man den Begriff "Großer Sommer" rein auf die Temperaturabweichungen dann war dieser Sommer im südlichen Mitteleuropa einer der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, v.a. gilt dies für die Schweiz und ganz besonders Österreich. Hier belegt der Sommer 2017 den 3ten Platz nach dem Spitzenreiter 2003 und dem Zweitplatzierten 2015.

Das soll jedoch nicht davon ablenken daß meine Sommerprognose nur zum Teil eingetroffen ist. Folgendes schrieb ich im Mai :


Diese starken Windanomalien reichen bis in`s Mittelmeer und werden darüber hinaus aktuell nach Norden abgelenkt und reichen bis weit in Nördliche Breiten. Dies zeigt, daß Subtropische Luftmassen bereits jetzt dazu in der Lage sind, bis weit nach Mitteleuropa vorzudringen und einen Höhenrücken ( roter Bogen ) ebendort zu stützen, außerdem sorgen diese Luftmassen bereits jetzt für Hitzewellen in Südwesteuropa.

All diese von mir beschriebenen Zutaten sollten, sofern sich die Natur ihrer bedient, dazu führen daß sich verstärkt Lagen über Europa bilden die einerseits warm-trockenen Hochdruck fördern, andererseits feucht-heiße Luftmassen ( Gewittergefahr! ) heranführen. Bei den Großwetterlagen dürften Antizyklonale Südwest/Westlagen dominieren, die Lage "Hoch Mitteleuropa" wird zumindest öfter auftreten als in den vergangenen Jahren üblich. Auch die  fragile Wetterlage "Brücke Mitteleuropa" wird sich einstellen, diese hat die Eigenheit daß sie eine "Sollbruchstelle" an ihrer Nördlichen Flanke besitzt die v.a. im Norden / Nordosten und Nordwesten für unbeständiges Wetter sorgt da hier Tiefdruckeinfluß zum tragen kommt.

Diese Aussagen lassen sich auf Gesamt - Mitteleuropa nur für den Juni bestätigen, denn die Entwicklungen waren auf lange Sicht gesehen nicht stark genug um den Höhenrücken fortzuführen. Die Dominanz Antizyklonaler Großwetterlagen ( SWa, Wa ) beschränkte sich größtenteils nur auf den Juni, im weiteren Verlauf gab es immer öfter Unterbrechungen durch Zonale ( Wz ) Großwetterlagen und starken Tiefdruckentwicklungen durch Tief Mitteleuropa, Trog Westeuropa und Tief Britische Inseln. 

Zwar gehören diese Unterbrechungen zu einem Mitteleuropäischen Sommer dazu, jedoch fielen sie in vielen Regionen v.a. im Norden sehr persistent aus und sorgten dort für relativ wenig Sommertage, teils weit unter dem Durchschnitt.

Ein Blick auf die Druckabweichungen zeigt ein klares Bild :


 Die Frontalzone recht zonal orientiert und nach Norden verschoben während der Südliche / Südwestliche / Südöstliche Bereich von Mitteleuropa gar nicht oder nur abschnittsweise von den Auswirkungen tangiert wurde. Im Mittelmeerraum übrigens auffallend viele Hitzewellen.


Herbst 2017

Erst Zyklonal, dann Meridional?

Der zurückliegende Sommer war letzlich doch recht zyklonal geprägt, wenngleich die Frontalzone  sehr weit nördlich orientiert war - in einer kurzen Verifikation werde ich in ein paar Tagen darauf eingehen.

Oft kommt es dann zum Ende des Sommers hin zu einer Beruhigung der Wetterlage, der September 2016 ist dafür ein gutes Beispiel, als nach einem sehr wechselhaften und teils nassen Sommer sehr stabile warm-bis heiße Spätsommerwochen folgten.

So dürfte es dieses Jahr nicht laufen.

Werfen wir einen Blick auf die zurückliegenden Wochen bzw. die dabei aufgetretenen Druckabweichungen



























Der hohe Luftdruck hat sich aus dem südlichen Mitteleuropa nach Osten orientiert während der starke Tiefdruckeinfluß langsam aber sicher von Skandinavien nach Westen zu den Britischen Inseln abzog. Dieser Tiefdruck wird wahrscheinlich durch Hochdruckentwicklung über der Barentssee nach Süden "gedrückt" und für eine durchgreifende Zyklonalisierung der Zirkulation sorgen. Diese Entwicklung wird durch ein starkes Aleutentief gestützt - ein starkes Aleutentief korrespondiert mit starker Tiefdruckentwicklung bei Island, dazu folgender Plot

















Ermöglich wird dies weil das Aleutentief durch den Polarfrontjetstream ( orange eingezeichnet ) die Tiefdruckentwicklung bei Island stützt / fördert. Untersucht wurde das u.a. vom Meteorologischen Institut der Uni Berlin in folgender Studie

http://www.geo.fu-berlin.de/met/bibliothek/Abschlussarbeiten-_Bachelor_Master_/Landrock_-Franz/index.html

Wir finden also einerseits Hochdruck im Arktischen Raum, Tiefdruck im Nordatlantik und wiederum Hochdruck bei den Azoren - fertig sind die perfekten Voraussetzungen für eine Zyklonale Zirkulation. Schaut man sich die Abweichungen der Wassertemperaturen an so ist diese Entwicklung nur logisch




















denn es zeigen sich die entsprechenden Temperaturen : Warmes Wasser in der Barentssee, warmes Wasser bei den Azoren, kühleres Wasser südlich von Grönland / Island, passend dazu die Abweichungen der Lufttemperatur







denn wir finden recht hohe Temperatur abweichungen über der Barentssee - wenig Gegensätze, also Hochdruck-förderlich, hohe Temperaturen bei den Azoren - wiederum Hochdruck-förderlich, und eher kühle bis ausgeglichene Temperaturen über Grönland und südlich von Island, was den Tiefdruck, wenn auch erstnal nur mäßig, stützt.

Das dürfte sich in folgenden Druckabweichungen wiederspiegeln

die zunächst folgende Großwetterlagen favorisieren, nämlich Westlage zyklonal, Nordwestlage zyklonal und später der Übergang zu Troglagen wie Trog Mitteleuropa. Wie schon im zurückliegenden Sommer kann es kurzzeitig zu Brückenschlüssen zwischen dem Hochdruck über den Azoren und dem Hochdruck über Russland kommen. Auf weite Sicht gesehen aber dürfte der Wettercharakter sich größtenteils kühl bis mäßig warm und wechselhaft präsentieren, d.h. daß die aus dem Sommer bekannte Beständigkeit der Unbeständigkeit erhalten bleibt.

Im weiteren Verlauf des Herbst könnten sich die Verhältnisse dahingehend "normalisieren" daß sich die beginnende Meridionalität in Großwetterlagen äußert die gemeinhin für den sogenannten "Altweibersommer" stehen, also Süd & Südwestlagen. Dazu wäre aber u.a der Abbau des hohen Geopotential über der Barentssee nötig der dann ein kippen der Achslage auf Süd/Südwestliche Strömung ermöglicht.Diese Konstellation ist aber von den Möglichkeiten eher im unteren Bereich anzusiedeln, viel wahrscheinlicher ist, daß sich aufgrund der sehr aktiven Hurrikan-Saison im Atlantik starke Tiefdruckgebiete quasi die "Türklinke in die Hand" geben, sich also stetig abwechseln. Auch hier die logische Konsequenz : Dominanz von Westlichen / Nordwestlichen Großwetterlagen ( Westlage zyklonal, Nordwestlage zyklonal ) mit den entsprechenden, oben angeführten Auswirkungen.

Zu rechnen ist mit einer ausgeglichenen bis moderat positiven Abweichung von 0,0° bis 1° zur Referenzperiode 1961-1990.









Link

Zwei Drittel der heurigen Sommersaison liegen per meteorologischer Definition hinter uns und mit Stand 31.7. scheinen bereits 19 sogenannte „heiße Tage“, also Tage mit einem Temperaturmaximum von mindestens 30 Grad in der Statistik für Nexing auf.  Im langjährigen Mittel (für den Standort Nexing auf 1992-2010 bezogen) ist mit 16,8 solcher Tage zu rechnen.

Die bisher meisten „heiße Tage“ brachte bislang das Jahr 2003 (39) gefolgt von 2015 mit 38 Tagen, an denen die Lufttemperatur über 30 Grad angestiegen ist.

Nexing ist nicht unbedingt ein „Hotspot“, was die maximalen Temperaturen betrifft, doch liegen die Beobachtungen auch an diesem Messpunkt voll und ganz im Trend der Sommer-Zwischenbilanz der ZAMG.

admin

16. Juli 2017

Auch Wetterstationen kommen in die Jahre

Seit 2003 hat unsere Wetterstation nun ihren Dienst rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr bei Wind und Wetter stets zuverlässig ihren Dienst versehen.

Nun – nach 14 Jahren – hat sich die Hauptplatine, quasi das Herz der Datenübertragung, ohne jeglicher Art von Vorankündigung verabschiedet und das sprichwörtlich „Zeitliche gesegnet“. Eine bemerkenswert lange Einsatzdauer, umso ärgerlicher der aprupte Ausfall, da keinerlei Vorbereitungen für diesen Fall getroffen werden konnten.

Freilich, die neueste Generation an Wetterstationen bringt eine Menge an Verbesserungen in der Übertragungstechnik oder der Auflösung der Niederschlagswerte mit. Dennoch muss zuächst die Ausschreibung für die Neuinstallation erfolgen sowie der Aufbau vonstattengehen.

Bis dahin ist etwas Geduld gefragt.

keine Unterbrechung der Wetterdatenaufzeichnung und Klimareihe

Die Wetterdatenaufzeichnung und somit auch die Klimareihe aus Nexing werden durch dieses Ereignis nicht unterbrochen. Aufmerksame Leser und Nutzer wissen, dass an unserer Station die Ablesungen und Wetterbeobachtung zusätzlich manuell zur Qualitätssicherung erfolgt. Lücken im Datenbestand durch solch einen aprupten Ausfall der elektronischen Messdatenerfassung können dadurch verhindert werden.

Dies verdeutlicht einmal mehr, wie wichtig der Faktor Mensch an Beobachtungsstationen ist – auch in Zukunft.

 

 

 

10.7.2017 Wetterphänomen Tornado

Die Zutaten für extreme Wettererscheinungen mit Unwetterpotenzial am 10.7.2017 waren angerichtet.

Instabile,  feuchte Luftmassen mit einem Energiegehalt bis zu 3000 Joule und eine moderate Änderung der Windrichtung und –stärke  mit zunehmender Höhe (Windscherung) liefern die Rahmenbedingungen für die Bildung superzellenartiger Gewitter.

Unter anderem wurden die südwestlich und östlich gelegenen Bezirke Wiens, sowie das Marchfeld von Starkregen und Hagelschlag getroffen. Hagelkörner mit einer Größe bis zu 5 cm wurden beobachtet.

Doch da ging noch mehr – aus dieser Superzelle entwickelte sich mit zunehmender Rotation ein Tornado (auch Großtrombe genannt) der Stärke F1 mit Bodenkontakt im Raum Schwechat.

Ein paar beeindruckende Bilder und ein Video, welches nur staunen lässt.

Ein seltenes, doch nicht so ungewöhnliches Wetterphänomen, wie man meinen möchte. In Österreich werden durchschnittlich 10 Tornados pro Jahr gesichtet. Freilich, östlich der Brünnerstrasse bekommt man dennoch solch ein Wetterphänomen so gut wie gar nicht zu Gesicht.