Archiv für den Autor: Kurt Hansen

Sommer 2017

Herr : Es ist Zeit. Der Sommer wird groß.

In Abwandlung von Rainer Maria Rilke`s Gedicht "Herbsttag" soll es heute darum gehen daß Mitteleuropa evtl. ein über weite Strecken stabiler und sehr warmer Sommer bevorsteht. Aber zunächst mal werfen wir einen Blick auf das vergangene Frühjahr zurück.

Dieses zeichnete sich durch eine bisher selten dagewesene Konzentration von Nordwestlichen Lagen aus. Besonders die Großwetterlage "Nordwestlage antizyklonal" war sehr häufig vertreten, diese sorgte v.a. im März dafür daß dieser als bisher wärmster März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen verzeichnet wurde.

Gut ersichtlich ist dies auf dem Plot des bisherigen Frühjahrs :






















(C) NOAA

Ebenso gut zu erkennen ist eine starke Konzentrierung tiefen Geopotentials über Zentral-Skandinavien und Nordost-Russland. Diese Konstellation sorgte in der zweiten April-Dekade für einen sehr starken Kaltlufteinbruch aus Nord / Nordost der in weiten Teilen Mitteleuropas zu großen Schäden im Obst & Weinbau führte. Zwar sind derartige Spätfröste im fortgeschrittenen Frühjahr nichts besonderes, sie sind im Langjährigen Klimamittel sogar als kleine Delle nach unten zu erkennen. Jedoch waren Länge und Ausprägung dieses Kälteeinbruchs ungewöhnlich stark und daher nicht vorherzusehen. Und es ist festzustellen daß die obigen Druckabweichungen wenig mit den von mir prognostizierten Abweichungen gemein haben :

(C) NOAA

Einzig die Hochdruckbildung im Bereich Iberische Halbinsel / Biskaya / Westliches Mittelmeer hatte ich richtig vermutet. Schade, aber nicht zu ändern. 

Zurück zum kommenden Sommer. Auffallend war in der vergangenen Zeit eine völlige Neuordnung der Druckverhältnisse : 

 (C) NOAA

 Es hat sich eine mächtige negative Druckanomalie im Bereich Neufundland - Azoren - Irland - Island aufgebaut. Dies hat zu einem deutlich nach Westen verschobenen Azorenhoch geführt

(C) Wetterzentrale

 Ursache dafür zeichnet wohl einerseits recht kaltes Wasser im Bereich westlich der Azoren


(C) Tropicaltidbits

im Zusammenspiel mit dort eingeflossener kälterer Luft. Merke : Geringe Gegensätz wie in diesem Falle führen zu Hochdruckbildung, allerdings dann eben nicht im Bereich direkt über den Azoren, sondern westlich davon. Ein starkes Azorenhoch an seinem angestammten Platz ist kein Schönwetter-Garant im Sommer, denn ein solches führt dazu daß Westlich / Nordwestliche Tiefausläufer auf Mitteleuropa übergreifen können.

Hier der Plot der Luft - Temperatur - Abweichungen, schwarz eingekreist der Bereich westlich der Azoren : 

 (C) NOAA

Auffallend war bzw ist weiterhin, daß das Geopotential im Subtropischen Atlantik erhöht ist

(C) NOAA 


Rot eingekreist das erhöhte Geopotential im Subtropischen Atlantik, schwarz eingekreist das tiefe Geopotential im Mittleren / Nördlichen Alantik. Beide Druckgebilde stehen hier für den sog. "East-Atlantic-Pattern", einen Index der der "Nord-Atlantischen-Oszillation" ähnlich ist, wobei sich das Aktionszentrum des "East-Atlantic-Pattern" weit südlicher abspielt als das der "Nord-Atlantischen-Oszillation. Gegenwärtig befindet sich der "East-Atlantic-Pattern" in einer positiven Phase.

In einer solchen positiven Phase fällt auf daß der Subtropenjet, der sich südlich von Neufundland befindet, stärker als normal ausgeprägt ist bzw. die Windgeschwindigkeiten deutlich erhöht sind.

 


(C) NOAA

Diese starken Windanomalien reichen bis in`s Mittelmeer und werden darüber hinaus aktuell nach Norden abgelenkt und reichen bis weit in Nördliche Breiten. Dies zeigt, daß Subtropische Luftmassen bereits jetzt dazu in der Lage sind, bis weit nach Mitteleuropa vorzudringen und einen Höhenrücken ( roter Bogen ) ebendort zu stützen, außerdem sorgen diese Luftmassen bereits jetzt für Hitzewellen in Südwesteuropa.

Eine zusätzliche Verstärkung dieses Effekts dürfte der Westafrikanische Monsun verursachen. Wie das? Der westafrikanische Monsun bringt der Sahlezone im Sommer Regen. Die Niederschläge in Westafrika werden durch die Lage der Innertropischen Konvergenzzone (ITCZ) beeinflusst. Sie verschiebt sich halbjährlich und sorgt insbesondere in den Monaten Mai bis Juli für höhere Niederschlagsmengen in Westafrika.

Nun ist aber ebendiese Innertropische Konvergenzzone nach Norden verschoben wie folgende Grafik zeigt : 
(C) NOAA
Wie man sieht ist die ITCZ im Westen bereits nach Norden verschoben. Es wird vermutet, daß ein derartiges verschieben der ITCZ im direkten Zusammenhang mit den Wassertemperaturen im zentralen / westlichen Mittelmeer zusammenhängt. Wird das Mittelmeer wärmer, steigt in der Luft darüber die Feuchtigkeit. Diese feuchten Luftmassen strömen über Ägypten Richtung Sahelzone und regnen dort ab. Das wiederum wirkt wie eine Art Motor für den Monsun: Die zusätzliche Feuchtigkeit in der Sahelzone verstärkt die Konvektionsströmungen über der Sahelzone. Es steigt mehr Luft auf, was wiederum den Zustrom feuchter Luft aus dem tropischen Atlantik intensiviert. ( Siehe hierzu : http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-20348-2016-07-04.html ) 

Und wenn sich der Monsun aufgrund dieser Auswirkungen nach Norden verschiebt dann werden die heißen Luftmassen ebenso nach Norden verschoben :

































(C) Scinexx

Und hier schließt sich nun der Kreis, denn wenn sich heiße Subtropische Luft, ausgehend von der ITCZ, auf den Weg Ri. Norden in`s Westliche / Zentrale Mittelmeer macht dann trifft diese Luft dort auf den Subtropenjet, welcher diese Luft dann weitertransportiert wie oben beschrieben.

All diese von mir beschriebenen Zutaten sollten, sofern sich die Natur ihrer bedient, dazu führen daß sich verstärkt Lagen über Europa bilden die einerseits warm-trockenen Hochdruck fördern, andererseits feucht-heiße Luftmassen ( Gewittergefahr! ) heranführen. Bei den Großwetterlagen dürften Antizyklonale Südwest/Westlagen dominieren, die Lage "Hoch Mitteleuropa" wird zumindest öfter auftreten als in den vergangenen Jahren üblich. Auch die  fragile Wetterlage "Brücke Mitteleuropa" wird sich einstellen, diese hat die Eigenheit daß sie eine "Sollbruchstelle" an ihrer Nördlichen Flanke besitzt die v.a. im Norden / Nordosten und Nordwesten für unbeständiges Wetter sorgt da hier Tiefdruckeinfluß zum tragen kommt.

Wie immer sei erwähnt daß es im Mitteleuropäischen Sommer normal ist daß es Unterbrechungen gibt die sich landesweit in regnerisch-kühlen Wetter äußern können, verursacht durch Zyklonale West/Nordwest- und auch Trog/Tiefdrucklagen wie Trog Mitteleuropa / Tief Mitteleuropa. Das gehört aber dazu, man sollte es nicht extra schreiben müssen aber die Stecknadel-im-Heuhaufen-Sucher sind eben überall. Diese Unterbrechungen dürften von nicht allzu langer Dauer sein, können aber Unwetterartig ausfallen.

Es ist daher damit zu rechnen daß der Sommer über weite Strecken deutlich zu warm und leicht zu sonnig ausfällt. Die Temperatur-Abweichung dürfte sich, orientierend an der International gültigen Referenzperiode 1961 - 1990 im Bereich +1,5° bis +2,5° bewegen.

Frühjahr 2017

Die Frühjahrs-Prognose war heuer keine einfache. Auch wenn es nicht den Anschein hatte, so war doch mehr Bewegung und Dynamik in der Athmosphäre der vergangenen Monate als mancher dachte. Blicken wir nochmal kurz auf die Druckabweichungen des vergangenen Winters zurück :

Der hohe Druck im Bereich GB / SKAN erstreckte sich Ri. Osten bis Weisrussland und war nach Osten durch eine schmale Zunge mit Hochdruck über Kanada verbunden.

Zwar wurde oft kolportiert "Der Atlantik ist tot!" weil es Tiefdruckgebiete nicht nach Mitteleuropa schafften, das war aber einzig der Tatsache geschuldet daß diese Tiefdruckgebiete hauptsächlich nach Süden und Norden abtauchten. Im Süden zogen sie dann, verstärkt durch das relativ warme Mittelmeerwasser, nach Südosteuropa und sorgten dort für ungewöhnlich starke winterliche Verhältnisse. Aber "tot" war der Atlantik nie! Vorherrschend waren, wie vermutet, Großwetterlagen der Gemischten Zirkulationsform. Zonal kam so gut wie nie vor - wird erst zum Ende des Meteorologischen Winters, also in den kommenden 2 Wochen ein Thema sein - und auch Meridionale Lagen hatten eher das Nachsehen.

Schaut man sich die Entwicklungen des Februar der vergangenen Tage an so zeigt sich schon ein erster kleiner Hinweis in welche Richtung sich das Frühjahr entwickeln könnte wenn man die richtigen Schlüsse zieht.

Das Azorenhoch ist - gemessen an der Jahreszeit - schon ungewöhnlich kräftig wenn auch nicht zu stark nach Norden verschoben. Im gesamten Nördlichen Atlantik und der NH hat sich eine kräftige Druckanomalie eingestellt. Diese Konstellation wird wohl für einen recht wechselhaften Frühjahrsbeginn sorgen da es nun Atlantische Tiefdruckgebiete eben leichter haben auf Mitteleuropa überzugreifen. Das wäre die kurzzeitige Rückkehr von Zonalen Wetterlagen, die im Winter kaum aufgetreten sind.

Schaut man sich die Wassertemperaturen bzw. die Abweichungen an so fällt auf daß u.a. Nord-und Ostsee und auch Teile des mittleren Atlantiks ( Azoren ) recht mild sind

 und auch in den zurückliegenden Wochen recht mild waren























Daran dürfte sich in den kommenden Wochen wenig ändern und dieser Umstand ist wichtig, denn : "Normalerweise" sind v.a. die Nördlichen Meere nach dem Winter ausgekühlt und mit steigendem Sonnenstand erhöht sich somit auch die Niederschlagstätigkeit v.a. wenn die daraus resultierenden Niederschlagsgebiete nach Mitteleuropa ziehen. Im Umfeld der Küsten bspw. an Nord-und Ostsee bleibt es dann klassischerweise sonnig, wenn auch kühl.

Da heuer dieser Umstand fehlt - die Gegensätze sind auf der NH derzeit zu groß und daher wenig Hochdruckförderlich - dürften es logischerweise daraus resultierende Nördliche Hochdrucklagen schwer haben sich durchzusetzen. Das könnte sich mit fortschreiten des Frühjahrs ändern, dazu müsste aber auf der NH einiges an Umstrukturierung geschehen um Meridionale Lagen zu bevorzugen. "Normalerweise" ist das Frühjahr die Jahreszeit, in der es zu einer verstärkten Dominanz dieser GWL kommt. Es ist aber zu beobachten daß mittlerweile Gemischte und Meridionale Wetterlagen im Frühjahr eine große Rolle spielen, zonale Lagen scheinen so gut wie abgemeldet.

Stattdessen scheinen weiterhin Gemischte Wetterlagen eine größere Rolle zu spielen, wie schon im Winter. Denkbar wäre  - sollte sich wie von mir vermutet verstärkte Tiefdrucktätigkeit im östlichen Atlantik bzw. in einem Streifen südöstlich Island / Grönland / Neufundland bilden - Hochdruckbildung im Bereich Iberische Halbinsel / Biskaya / Westliches Mittelmeer wie hier zu sehen

aber ebenso wäre ein Szenario denkbar indem es zwar zu einer Hochdruckbrücke Azoren / Westrussland kommen könnte, sich aber der Tiefdruck im Westlich / Nordwestlichen Raum dergestalt verstärkt daß Zonale Lagen und Zyklonale Nordwestlagen öfters Einfluss nehmen könnten




























Welches der beiden Szenarien das wahrscheinlichere darstellt vermag ich abschließend nicht zu sagen. Die Tendenz des Winters - eher trocken und sonnig, natürlich mit regionalen Unterschieden - dürfte sich im späteren Verlauf des Frühjahrs fortsetzen. Und wie immer, auch wenn es eigentlich klar sein sollte : Kaltlufteinbrüche durch Trog & Nordlagen sind, wie die oben genannten West & Nordwestlagen, jederzeit möglich, besonders in der 2ten Dekade des April um den 17.04 herum. Das langjährige Mittel der Klimaperiode zeigt nämlich in diesem Zeitraum eine Delle nach unten.

Bezügl. der Abweichung zur Klimatologischen Referenzperiode 1961 - 1990 erwarte ich ca. 1,5° bis 2,5°.

Quelle der Plots : https://www.esrl.noaa.gov/psd/data/histdata/