Archiv für den Autor: Kurt Hansen

Herbst 2018

Bevor ich den kommenden Herbst beleuchte, ein kurzer Rückblick auf den vergangenen Sommer, der tatsächlich den 2ten Platz hinter dem Sommer 2003 einnimmt. Mit der immer noch anhaltenden Trockenheit war allerdings nicht zu rechnen, dies wurde auch von Langfrist-Experten nicht vorhergesehen, zu außergewöhnlich waren bzw. sind die großräumigen Wetterlagenstrukturen.

Die Druckabweichungen hatte ich im Frühjahr folgendermaßen versucht darzustellen :






(C)NOAA

Und so sehen die Druckabweichungen tatsächlich aus, ein sehr gutes Ergebnis :




























(C)NOAA

Die Nordost-Verlagerung des Hochdrucks fand zwar nicht statt, dafür stimmt die großräumige Struktur sehr gut überein.

Nun also zum kommenden Herbst. Das, was ich in meiner Sommer-Prognose schrieb, wird sich nun immer mehr realisieren - Die Angleichung der sehr starken Anomalien der Wassertemperaturen, die sich entsprechend in Großwetterlagen zeigen wird.

Jahreszeitlich bedingt kommt es besonders ab Ende September zu immer mehr Kaltluftausbrüchen via Nördliche Hemisphäre, dann beginnt die Polarnacht. Das aufeinandertreffen dieser Kaltluft auf das sehr warme Wasser im arktischen Bereich und des Nordatlantik wird viel Tiefdruck zur Folge haben, Nota Bene : Starke Gegensätze sind Tiefdruckfördernd, schwache Gegensätze Hochdruckfördernd.

Blick auf die Anomalien der Wassertemperaturen :



(C)NOAA

Im Vergleich mit den Wassertemps zu Beginn des Sommers ( siehe meine damalige Prognose ) hat sich das Wasser bspw. rund um die Azoren deutlich erwärmt - das war auch der Grund für die atlantische Blockade, die die Hochsommerlichen Großwetterlagen erst möglich machte - ausgehend von der Iberischen Halbinsel ist aber bereits zu erkennen daß das Wasser dabei ist sich leicht abzukühlen. Die Kaltluftausbrüche via NH werden dafür sorgen, daß Kaltluft in den mittleren Atlantik befördert wird ( aufgrund der Drehrichtung der Tiefdruckgebiete links herum ) und das immer noch recht starke Azorenhoch "glätten" werden. Somit wird sich das Azorenhoch nicht aufsteilen und eine Blockade herbei führen können. Die Druckkonstellation wird sich also normalisieren.

Desweiteren erkennen wir rund um Island ebenfalls sehr warmes Wasser. Durch die oben angesprochene Kaltluft wird sich das Isländische Tief gut ausbilden können.

Somit entstehen zwei gut ausgeprägte Aktionszentren, ein "normales" Azorenhoch und ein "normales" Islandtief. Diese Aktionszentren stehen dann für eher leicht wechselhaft geprägtes Wetter. Bis es soweit ist wird noch Zeit vergehen, solche Umbauprozesse dauern, angedeutet hatte sich dies aber bereits im August, der schon leicht zonal geprägt war trotz der ausgeprägten Hitzewelle. Dies ist im Plot des August sehr gut zu erkennen :

(C)NOAA

Wahrscheinlich wird der September und die erste Hälfte des Oktober noch von der "alten" Druckkonstellation mit gekippter Achslage Südwest / Nordost und entsprechender Advehierung subtropischer Luftmassen profitieren und zum großen Teil sommerlich verlaufen, damit dürfte aber ab mitte Oktober langsam Schluß sein, wobei im Oktober immer noch milde bis warme Lagen möglich sind, Stichwort "Altweibersommer".

Übrigens war der Atlantik an sich nie "tot" sondern sehr aktiv wie man am NAO-Index erkennen kann der sich schon seit langer Zeit überwiegend im positiven Bereich befindet :


(C)NOAA

Daran wird sich voraussichtlich wenig ändern, die Atlantische Hurrikan-Saison bspw. ist sehr schwach, bisher haben sich nur wenige Hurrikane bilden können

(C)WIKIPEDIA

und eine schwache Atlantische Hurrikan-Saison kann zu eher wechselhaften Wetter in Mitteleuropa führen da aufgrund der Windscherung die Stürme auf den offenen Atlantik umgeleitet werden

(C)WETTERZENTRALE

allerdings hängt es auch von der Zugbahn der Stürme ab, welche Luftmassen in Europa zum tragen kommen. Wird ein solcher Ex-Hurrikan / Tropischer Sturm in die Westwindzirkulation eingebunden, ist eher wechselhaftes Wetter zu erwarten. Wird eine eher Südlich / Südwestliche Zugbahn eingeschlagen, dann werden warme bis sehr warme subtropische Luftmassen advehiert! 

Als Fingerzeig für einen eher leicht wechselhaften Herbst ab mitte Oktober November mit entsprechenden Großwetterlagen steht die Tatsache, daß der Sommer über der NH besonders im Bereich Ost-Grönland / Nordwest-Kanada recht kalt verlief, gut zu sehen an den Abweichungen der Luft-Temps


(C)NOAA

und der verringerten Schmelzrate des Schnees bzw. der einigermaßen guten Schneebedeckung der NH inkl. Grönland

(C)RUTGER SNOW LAB


und dies ist eben ein wichtiger Umstand für den Zustand der Schneedecke auf Grönland. Reduzierte Schmelzrate des Schnees, daraus resultierend weniger Süßwassereintrag in den Labrador-bzw. Neufundlandstrom, dadurch gute Voraussetzungen für  Tiefdruckbildung im Bereich Neunfundland, der Geburtststätte der Atlantischen Tiefs.

Die allmählich beginnende Normalisierung spiegelt sich auch im Jetstream dar, der Polarfront-Jetstream ist dabei sich zu bilden wie man besonders über Nordamerika / Kanada gut erkennen kann :




 (C)CALIFORNIA REGIONAL WEATHER SERVER

Mit folgenden Druckabweichungen könnte zu rechnen sein :



FAZIT :


Der Herbst dürfte recht gegensätzlich verlaufen, Zonale Wetterlagen eher unterrepräsentiert, Gemischte Wetterlagen und Meridionale werden stärker vertreten sein, physikalisch gar nicht anders möglich aufgrund der starken Gegensätze - dennoch sind im Oktober, wie oben erwähnt, noch milde bis sehr warme Lagen ( Altweibersommer ) möglich, genauso wie kühle bis kalte Lagen bis in den November hinein - verstärkt durchsetzen.


Der Vollständigkeit halber noch die Temp-Abweichung des Herbst die ich bei +1° bis +2° verorten würde.

Sommer 2018

Das zurückliegende Frühjahr brachte v.a. ab April eine bisher selten dagewesene, stabile Großwetterlage, die sich durch eine Omega-ähnliche Struktur der Druckabweichungen zeigte

(C)NOAA

Diese Druckabweichungen decken sich recht gut mit den von mir vermuteten Abweichungen, wenngleich ich eine derart starke Omega-Entwicklung nicht für möglich gehalten hätte und auf etwas mehr Wechselhaftigkeit gebaut hatte

(C)NOAA

Die aktuellen Konstellationen sind derart stabil daß es derzeit wenig wahrscheinlich ist daß sich die Strukturen völlig umkehren und den Sommer in Richtung kühl und wechselhaft bringen, dennoch wird es solche Phasen geben denn sie gehören zum Mitteleuropäischen Sommerwetter einfach dazu. Man muss das immer wieder schreiben, und man muss erwähnen daß es selbst in den bisherigen "Jahrhundertsommern" wie bspw. 1947 und 2003( um jetzt mal zwei Vertreter zu nennen ) auch wechselhafte und kühle Phasen gab. Diese blieben aber nicht oder kaum in Erinnerung, typisch Mensch.

Der dominierende Hochdruck über Skandinavien - verantwortlich für den Rekord-April und den Rekord-Mai - wird Jahreszeitlich bedingt ( Angleichung der Wasser-und Lufttemps, dadurch etwas weniger Gegensätze, dadurch etwas weniger Meridionalität bei den Großwetterlagen ) abgebaut, wird aber nicht vollends verschwinden sondern sich etwas nach Ost / Nordost verschieben.

Das Azorenhoch wird - ebenfalls Jahreszeitlich bedingt - stärker, wird jedoch von den Abtropfungsvorgängen aus Grönland - dort wird Tiefdruck weiter dominant bleiben wenngleich sich auch dort etwas stärkerer Druck aufbauen wird - etwas abgeflacht und schickt Ableger in Richtung Nord / Nordwest auf den Atlantik . Anschließend verbleiben diese Ableger meist südöstlich von Island, den Britischen Inseln und Skandinavien . Dort bilden sie quasi eine Brücke bis nach Nordost-Russland hinein, dies könnte sich in folgenden Druckabweichungen manifestieren


 (C)NOAA

Der Blick auf die Anomalien der Wassertemps offenbart, wie es zu den aktuellen Entwicklungen gekommen ist und wie es wohl weitergehen wird


(C)NOAA

Das Wasser im Bereich der Azoren ist leicht zu warm, jedoch nördlich und östlich davon deutlich zu kalt, dies im Zusammenspiel mit den o.g. Abtropfungsvorgängen via Grönland sorgt für ein starkes, jedoch abgeflachtes Azorenhoch welches sich nicht derart "aufblähen" kann so daß es permanent kühl-wechselhafte Nordwestlagen iniziiert, auch wenn diese, ich wiederhole mich, durchaus auftreten können und werden, jedoch nicht mit der Intensität wie es in einem kühl-wechselhaft dominierten Sommer der Fall ist. Diese werden dann eher kühl - trocken verlaufen, wenn auch aufgrund der Feuchtigkeit mit relativ starker Bewölkung einhrgehend.
Nord-und Nordöstlich von Island bis nach Skandinavien finden wir dagegen zu warmes Wasser, dies im Zusammenspiel mit deutlich erhöhten Lufttemps


(C)NOAA

sorgt für Hochdruckbildung mit Brückenbildung wie oben angesprochen.

Man sieht zwar, daß die Temps über Grönland recht kalt sind, und weiter oben ist zu sehen daß das Wasser ebenfalls zu kalt ist, jedoch kann sich diese kalte Luft nicht dahingehend stabilisieren daß es dadurch zur nachhaltigen Bildung eines starken Grönlandhochs käme, welches im Zusammenspiel mit einem starken Azorenhoch die bereits angesprochenen Nordwestlagen - und damit wechselhaftes, kühles Wetter- verursachen würde.

Mit eine Ursache ist auch der Jetstream, welcher deutlich mäandriert


(C)squall.sfsu.edu

und dafür sorgt, daß der Warmluftvorstoß über den Atlantik an Grönland vorbei und wieder hoch nach Skandinavien nicht abreißt. Im Bereich von Grönland sorgt diese wärmere Luft mit dem bereits angesprochenen kalten Wasser dafür daß dort die Gegensätze etwas stärker bleiben - Gegensätze ( bspw. warme Luft / kaltes Wasser und vice versa ) sind Tiefdruckfördernd - und im Bereich südöstlich von Island bis Skandinavien die Gegensätze abnehmen - weniger Gegensätze ( warme Luft / warmes Wasser oder vice versa ) sind Hochdruckfördernd. Dennoch sollte man Tiefdruckbildung über Skandinavien immer mit einrechnen, da dieser Prozess aber meist aus Abtropfvorgängen resultiert und daher sehr dynamisch iat, ist eine Prognose wann und wie stark dieser auftritt quasi unmöglich.

Bei den Großwetterlagen des Sommers dürften Gemischte und Meridionale Lagen überwiegen, zu nennen wären u.a. Brücke Mitteleuropa ( BM ), Hoch Nordmeer-Island antizyklonal ( HNa ) Hoch Nordmeer-Fennoskandien antizyklonal ( HFa ) Nordwestlage antiztyklonal ( NWa ) und evtl. Hoch Mitteleuropa ( HM ) und Südwestlagen. Troglagen ( TrW, TrM ) dürften aber ebenso auftreten wie Zonale & Gemischte kühle Lagen ( Wz NWz ), spielen aber eher eine untergeordnete Rolle, wenngleich die zonale GWL Westlage antizyklonal ( Wa ) für sehr warmes und trockenes Wetter steht. Die stabilen Phasen dürften also überwiegen, Störungen werden auftreten aber von kürzerer Dauer sein. Die Gewitter & Unwettergefahr bleibt allerdings recht hoch.

Bei der Abweichung zur derzeit aktuellen Klimatologischen Referenzperiode 1961 - 1990 ist +1° bis +2,5° zu vermuten.

Quelle der NOAA - Plots :  https://www.esrl.noaa.gov/psd/map/
Quelle der SST - Anomalien : http://www.ospo.noaa.gov/Products/ocean/sst/anomaly/
Quelle des Jetstream : http://squall.sfsu.edu/crws/archive/jetstream_archive.html