Archiv für den Autor: Kurt Hansen

Sommer 2018

Das zurückliegende Frühjahr brachte v.a. ab April eine bisher selten dagewesene, stabile Großwetterlage, die sich durch eine Omega-ähnliche Struktur der Druckabweichungen zeigte

(C)NOAA

Diese Druckabweichungen decken sich recht gut mit den von mir vermuteten Abweichungen, wenngleich ich eine derart starke Omega-Entwicklung nicht für möglich gehalten hätte und auf etwas mehr Wechselhaftigkeit gebaut hatte

(C)NOAA

Die aktuellen Konstellationen sind derart stabil daß es derzeit wenig wahrscheinlich ist daß sich die Strukturen völlig umkehren und den Sommer in Richtung kühl und wechselhaft bringen, dennoch wird es solche Phasen geben denn sie gehören zum Mitteleuropäischen Sommerwetter einfach dazu. Man muss das immer wieder schreiben, und man muss erwähnen daß es selbst in den bisherigen "Jahrhundertsommern" wie bspw. 1947 und 2003( um jetzt mal zwei Vertreter zu nennen ) auch wechselhafte und kühle Phasen gab. Diese blieben aber nicht oder kaum in Erinnerung, typisch Mensch.

Der dominierende Hochdruck über Skandinavien - verantwortlich für den Rekord-April und den Rekord-Mai - wird Jahreszeitlich bedingt ( Angleichung der Wasser-und Lufttemps, dadurch etwas weniger Gegensätze, dadurch etwas weniger Meridionalität bei den Großwetterlagen ) abgebaut, wird aber nicht vollends verschwinden sondern sich etwas nach Ost / Nordost verschieben.

Das Azorenhoch wird - ebenfalls Jahreszeitlich bedingt - stärker, wird jedoch von den Abtropfungsvorgängen aus Grönland - dort wird Tiefdruck weiter dominant bleiben wenngleich sich auch dort etwas stärkerer Druck aufbauen wird - etwas abgeflacht und schickt Ableger in Richtung Nord / Nordwest auf den Atlantik . Anschließend verbleiben diese Ableger meist südöstlich von Island, den Britischen Inseln und Skandinavien . Dort bilden sie quasi eine Brücke bis nach Nordost-Russland hinein, dies könnte sich in folgenden Druckabweichungen manifestieren


 (C)NOAA

Der Blick auf die Anomalien der Wassertemps offenbart, wie es zu den aktuellen Entwicklungen gekommen ist und wie es wohl weitergehen wird


(C)NOAA

Das Wasser im Bereich der Azoren ist leicht zu warm, jedoch nördlich und östlich davon deutlich zu kalt, dies im Zusammenspiel mit den o.g. Abtropfungsvorgängen via Grönland sorgt für ein starkes, jedoch abgeflachtes Azorenhoch welches sich nicht derart "aufblähen" kann so daß es permanent kühl-wechselhafte Nordwestlagen iniziiert, auch wenn diese, ich wiederhole mich, durchaus auftreten können und werden, jedoch nicht mit der Intensität wie es in einem kühl-wechselhaft dominierten Sommer der Fall ist. Diese werden dann eher kühl - trocken verlaufen, wenn auch aufgrund der Feuchtigkeit mit relativ starker Bewölkung einhrgehend.
Nord-und Nordöstlich von Island bis nach Skandinavien finden wir dagegen zu warmes Wasser, dies im Zusammenspiel mit deutlich erhöhten Lufttemps


(C)NOAA

sorgt für Hochdruckbildung mit Brückenbildung wie oben angesprochen.

Man sieht zwar, daß die Temps über Grönland recht kalt sind, und weiter oben ist zu sehen daß das Wasser ebenfalls zu kalt ist, jedoch kann sich diese kalte Luft nicht dahingehend stabilisieren daß es dadurch zur nachhaltigen Bildung eines starken Grönlandhochs käme, welches im Zusammenspiel mit einem starken Azorenhoch die bereits angesprochenen Nordwestlagen - und damit wechselhaftes, kühles Wetter- verursachen würde.

Mit eine Ursache ist auch der Jetstream, welcher deutlich mäandriert


(C)squall.sfsu.edu

und dafür sorgt, daß der Warmluftvorstoß über den Atlantik an Grönland vorbei und wieder hoch nach Skandinavien nicht abreißt. Im Bereich von Grönland sorgt diese wärmere Luft mit dem bereits angesprochenen kalten Wasser dafür daß dort die Gegensätze etwas stärker bleiben - Gegensätze ( bspw. warme Luft / kaltes Wasser und vice versa ) sind Tiefdruckfördernd - und im Bereich südöstlich von Island bis Skandinavien die Gegensätze abnehmen - weniger Gegensätze ( warme Luft / warmes Wasser oder vice versa ) sind Hochdruckfördernd. Dennoch sollte man Tiefdruckbildung über Skandinavien immer mit einrechnen, da dieser Prozess aber meist aus Abtropfvorgängen resultiert und daher sehr dynamisch iat, ist eine Prognose wann und wie stark dieser auftritt quasi unmöglich.

Bei den Großwetterlagen des Sommers dürften Gemischte und Meridionale Lagen überwiegen, zu nennen wären u.a. Brücke Mitteleuropa ( BM ), Hoch Nordmeer-Island antizyklonal ( HNa ) Hoch Nordmeer-Fennoskandien antizyklonal ( HFa ) Nordwestlage antiztyklonal ( NWa ) und evtl. Hoch Mitteleuropa ( HM ) und Südwestlagen. Troglagen ( TrW, TrM ) dürften aber ebenso auftreten wie Zonale & Gemischte kühle Lagen ( Wz NWz ), spielen aber eher eine untergeordnete Rolle, wenngleich die zonale GWL Westlage antizyklonal ( Wa ) für sehr warmes und trockenes Wetter steht. Die stabilen Phasen dürften also überwiegen, Störungen werden auftreten aber von kürzerer Dauer sein. Die Gewitter & Unwettergefahr bleibt allerdings recht hoch.

Bei der Abweichung zur derzeit aktuellen Klimatologischen Referenzperiode 1961 - 1990 ist +1° bis +2,5° zu vermuten.

Quelle der NOAA - Plots :  https://www.esrl.noaa.gov/psd/map/
Quelle der SST - Anomalien : http://www.ospo.noaa.gov/Products/ocean/sst/anomaly/
Quelle des Jetstream : http://squall.sfsu.edu/crws/archive/jetstream_archive.html



Frühjahr 2018 – Kaltstart, später mild bis warm und eher wechselhaft

Im noch aktuell laufenden Februar wartete der Spätwinter mit einer Entwicklung auf die ich in meiner Winterprognose angesprochen und auch vermutet hatte – in der Athmosphäre fand ein sehr spätes sog. „Major Warming“ statt, eine große Erwärmung der Stratosphäre, die die Wetterzirkulation entscheidend beeinflusste. Durch diese Erwärmung wurden Kaltlufteinbrüche aus Nordost / Ost möglich die dennoch nicht dazu in der Lage waren nachhaltiges Winterwetter zu iniziieren, dazu war es schlicht „zu spät“ im Winter, also zu fortgeschritten.

Die stratosphärische Erwärmung hat aber zur Folge, daß sich die Frontalzone des mitteleuropäischen Wettersystems weiter als üblich nach Süden orientiert da sich im Nordatlantischen Raum viel Kaltluft angesammelt hat.  Diese Kaltluft sorgte und sorgt für das entstehen von Hochdruck im Nordmeer / Skandinavien, Stichwort Großwetterlage „Hoch Fennoskandien antizyklonal“ bzw. „Hoch Nordmeer-Fennoskandien antizyklonal“. Aufgrund der Erhaltungsneigung ist auch im weiteren Frühjahrsverlauf mit dem auftreten dieser Großwetterlage(n) zu rechnen, da es naturgemäß lange dauert bis die hochdruckförderlichen Verhältnisse im Nordatlantik abgebaut bzw. egalisiert sind. Dadurch wird es nun wiederholt zu starken Kaltlufteinbrüchen kommen.

Die angesprochene Entwicklung einer südlich orientierten Frontalzone lässt zwar auch zonale Großwetterlagen zu wie bspw. die „Südliche Westlage“, diese advehiert aber an ihrer Ostflanke ( die nach Norden abbiegt ) kalte kontinentale Luftmassen, die im Zusammenspiel mit feuchten Luftmassen aus Südost ( Mittelmeer) für erhöhte Niederschläge sorgt, auch in fester Form, also als Schnee. Desweiteren dürfte es im beginnenden Frühjahr aber auch zu den Großwetterlagen „Südostlage zyklonal“ und „Südlage zyklonal“ kommen, alles Großwetterlagen die für eher kühles, niederschlagreiches Wetter sorgen.

Da, wie angesprochen, die Frontalzone eher südlich orientiert ist, sind aber auch gemischte, milde Wetterlagen möglich, die zyklonale Südwestlage wäre hier zu nennen. Diese Einschübe dürften mit sehr milden, feuchten Luftmassen verbunden sein.

Da die Gegensätze auf der NH derzeit recht groß und daher hochdruckförderlich sind, dürften es logischerweise daraus resultierende Nördliche Hochdrucklagen weiter leicht haben sich durchzusetzen. Das wird sich mit fortschreiten des Frühjahrs ändern, dazu bedarf es auf der NH einiges an Umstrukturierung um zusätzlich zu meridionalen Lagen auch gemischte Lagen zu bevorzugen. Normalerweise ist das Frühjahr aufgrund der thermischen Gegensätze zwischen den Nördlichen und Südlichen Breiten die Jahreszeit, in der es zu einer verstärkten Dominanz dieser Großwetterlagen kommt. Es ist nämlich zu beobachten, daß mittlerweile gemischte und meridionale Wetterlagen im Frühjahr eine größer werdende Rolle spielen, wahrscheinlich ist der anthropogen verstärkte Klimawandel die Ursache.

Möglich wäre dies durch das Zusammenspiel von Azoren-und Skandinavienhoch. Aufgrund der derzeitigen Wassertemperaturen – kühl bis zu kalt im Atlantischen Bereich westlich und Nordwestlich von Irland / Großbritannien bis nach Island – und einer beginnenden positiven Anomalie bei den Azoren dürften sich analog zu den oben genannten Hochdrucklagen auch Tiefdrucklagen westlich der Britischen Inseln etablieren.

(C)NOAA

Erforderlich dazu wäre aber zunächst mal, daß sich die Frontalzone wieder nordwärts orientiert, was einen Übergang zu einer Zyklonalen Westlage ermöglichen würde. Somit wäre die Zirkulation normalisiert, zudem stellt diese Wetterlage im Frühjahr den „Türöffner“ für milde bis warme gemischte und meridionale Lagen dar.

Folge wären dann zum einen die Bildung der Großwetterlage Südwestlage antizyklonal und daraus resultierend zumindest kurzzeitig Hoch Mitteleuropa. Kurzzeitig deswegen weil diese Großwetterlage immer seltener auftritt.

Die dann eher meridional ausgerichtete Achslage der Zirkulation begünstigt aber auch die Bildung von Troglagen wie bspw. Trog Westeuropa, Trog Mitteleuropa usw.

Von den Druckabweichungen her dürfte sich das Frühjahr dann folgendermaßen darstellen :

(C)NOAA

Wie man sieht ermöglichen diese Druckabweichungen wie im Titel erwähnt zwar mildes bis warmes aber auch eher wechselhaftes Wetter, da sich der Tiefdruckeinfluß des Mittleren und Nördlichen Atlantik recht stark präsentieren dürfte. Ebenso ist mit einer retrograden Achsausrichtung wie schon im Winter zu rechnen, begünstigt wären dabei dann Nordwestlagen.

(C)Wetterzentrale

Dennoch wäre, besonders ab Mitte des Frühjahrs hin, eine stabile mild-warm-trockene Phase möglich. In diese Zeit fällt aber auch die schon vergangenes Jahr angesprochene „Delle“ im Langjährigen Mittel, genauer gesagt ist es die zweite April-Dekade. 2017 kam es genau um diesen Zeitpunkt herum zu einem heftigen Kälteeinbruch der schwere Frostschäden verursachte.

Bezügl. der Abweichung zur Klimatologischen Referenzperiode 1961 – 1990 erwarte ich ca. 0,5° bis 1,5°.

Quelle der NOAA-Grafiken : https://www.esrl.noaa.gov/psd/map/
Quelle der GFS-Grafik : http://www.wetterzentrale.de