Archiv für den Autor: Kurt Hansen

Sommer 2019

Mit Traditionen soll man nicht brechen, daher folgt zunächst, wie immer, ein kurzer Rückblick auf die vergangene Frühjahrsprognose.

Vorab, der sehr starke Kaltlufteinbruch im Mai, der zum kältesten Mai seit 2010 führte, war in dieser Ausprägung Monate vorher nicht zu prognostizieren. Wer behauptet dies zu können, lügt schlicht. Zwar sind Kaltlufteinbrüche im April und Mai während des Frühjahr nichts besonderes - darauf wurde von meiner Seite hingewiesen - aber mit einer derartigen Persistenz war nicht zu rechnen.

Vermutet wurden von mir folgende Druckabweichungen



(C)NOAA

und wieder einmal wurde ein sehr gutes Ergebnis erzielt, denn die tatsächlichen Druckabweichungen stellen sich wie folgt dar

(C)NOAA

Einzig der verstärkte Tiefdruckeinfluß in arktischen Breiten wurde falsch prognostiziert, der starke Hochdruck über Grönland führte zu einem sog. "Grönland-Blocking" ( dazu gleich mehr ) und iniziierte den starken Kaltlufteinbruch im Mai.

Die Sommer-Prognose gestaltet sich schwierig. Denn die Zirkulation wurde durch ein sog. sehr starkes "Final Warming" der Stratoshäre nachhaltig verändert. Diese "Final Warmings" sind nichts besonderes, sie finden jedes Jahr statt und sorgen dafür, daß die athmosphärischen Strömungen auf Sommerzirkulation umstellen.

Aber, durch den anthropogen forcierten Klimawandel und den damit verbundenen starken Eintrag von CO2 und Aerosolen in die Athmosphäre, kommt es vor, daß ein solches Final Warming sehr stark ausfällt.

Und genau dies war heuer der Fall, wie man auf der grafischen Analyse der NOAA sehen kann

(C)NOAA

Wie man sehen kann, ein deutlicher Ausschlag im April nach oben, 2018 ( und auch in manch anderen Jahren ) gab es dies nicht. Das Final Warming in 2018 verlief völlig normal.

Dieses starke Final Warming sorgte für eine starke Schwächung des Polarfrontjetstream

(C)NOAA

deutlich zu erkennen an den stark blau gefärbten Bereichen im subpolaren Raum und ausgreifend bis nach Europa.
Dadurch erfolgte starke Advektion von Kaltluft, v.a. via Grönland, dies verstärkte dort den sowieso schon recht hohen Luftdruck und sorgte für ein sog. "Grönland-Blocking" wodurch die Kaltluft auf quasi direkten Weg nach Europa gelangen konnte. Eindrucksvoll zu sehen in diesem Plot der Druckabweichungen des Mai

(C)NOAA

Die Schwächung des Polarfromtjetstream ist auch hier gut zu erkennen

(C))squall.sfsu.edu

Denn dies führte zur Bildung einer sog. "Viererwelle". Entsteht eine solche, bilden sich zwei "Rücken", meistens einer südlich von Grönland und einer über der Zentralrussischen Landmasse. In der Lücke dazwischen entsteht ein Trog, und in diesem flutet arktische Kaltluft. Erkennbar sind diese Rücken auf obiger Grafik durch die starke Mäandrierung des Jatstream südlich von Grönand und das verstärkte Jetstreamband ausgehend von Polen über das Baltikum bis nach Nordostrussland.

Eine derartige Viererwelle zeichnet sich durch eine starke Persistenz aus und es bedarf starker Warmluftadvektion um diese zu "brechen" und den Umbauprozess auf der Nördlichen Hemisphäre zu forcieren, und genau dies geschieht seit mitte Mai, hier zu sehen beginnend ab ca. 15.05



(C)Wetterzentrale

und zwar iniziert durch Warmluftadvektion an der Ostkanadischen Küste und direkt "gegenüber" im ostasiatischen Raum. Diese Warmluftadvektion hielt auch bis mitte Mai an

(C)Wetterzentrale

Als Resultat wurde die Dominanz der Viererwelle gebrochen und der starke Hochdruck über Grönland abgeschwächt, dadurch verliert auch das Grönland-Blocking an Kraft, dies war bereits seit mitte Mai zu beobachten, denn der Hochdruck orientiert sich langsam westwärts in Ri Skandinavien und Nordost-Russland

 (C)NOAA

 Im Vergleich mit der Grafik der Druckabweichungen weiter oben ist außerdem festzustellen daß der dominierende Tiefdruck über Europa ebenfalls schwächer geworden ist. Da aber der Hochdruck über Grönland weiter stark bleibt ist damit zu rechnen daß es von diesem ausgehend Kaltluftausbrüche in den Atlantik via Island geben wird. Der Blick auf den Jetstream zeigt, daß sich dieser deutlich erholt hat und in recht geordneten Bahnen mit leichten Mäandrierungen verläuft


(C)squall.sfsu.edu


Kommen wir zu den Anomalien der Wassertemps, diese sind wie immer sehr wichtig für die weitere Entwicklung.

(C)NOAA

Diese zeigen, daß sich im Bereich der Azoren recht kaltes Wasser befindet, ebenfalls nördlich, östlich und auch nordwestlich, es wird quasi ein großer Bereich des mittleren Atlantik von eher kühlen Wasser dominiert. Rund um Island und in Ri. Spitzbergen, also im subpolaren Raum, befindet sich recht warmes Wasser, ebenso südlich von Grönland.

Daraus resultiert, daß das Azorenhoch ähnlich wie 2018 zwar abgeflacht wird, jedoch aufgrund der Dynamik die durch kaltes Wasser und warme Luft entsteht sich ostwärts und auch nordwestwärts orientiert. Es sind dann zwar Gegensätze vorhanden, diese werden aber nicht stark genug sein um ein starkes atlantisches Blocking herbei zu führen.

Versucht man alle Komponenten zusammen zu fügen - einigermaßen starkes, aber abgeflachtes Azorenhoch mit Ost/Nordwestwärts-Verlagerung, Hochdruck der sich eher Nordostwärts in Ri. Nordost-Russland orientiert ( siehe oben ), weiterhin einigermaßen starker Hochdruck über Grönland mit Kaltluftausbrüchen Ri. Süden und daraus dort entstehenden Tiefdruck ( kalte Luft trifft auf warmes Wasser, große Gegensätze sind vorhanden und solche sind Tiefdruckfördernd ) - so dürften sich folgende Drckabweichungen bilden, es ei aber erwähnt daß die weiter oben erwähnten Umbauprozesse, die auf der Nördlichen Hemisphäre stattfanden-und finden, Zeit brauchen ( mitte / Ende der 2ten Juni - Dekade ), da die Prozesse aufgrund der vorangegangenen Entwicklungen etwas träge agieren. :

(C)NOAA

Es dürfte sich also eine eher antizyklonal ausgerichtete Achslage bilden, die leicht nördlich orientierte Frontalzone ist jedoch anfällig für Störungen bspw. an der Ostflanke im atlantischen Bereich. Diese Störungen können auch mal wechselhaftes, kühles Wetter zur Folge haben - das passiert in jedem Sommer und gehört zum Mitteleuroäischen Klima dazu - aber ebenso Trogentwicklungen v.a. über Westeuropa, welche dann recht warm-bis heißes Wetter iniziieren.

Oder anders ausgedrückt dürfte es aufgrund der vorab genannten Trogentwicklungen gut möglich sein daß heuer die Temperaturspitzen um einiges höher ausfallen als noch 2018. Eine Charakteristik des Sommer 2018 war ja, daß es eher selten zu Temperaturspitzen im Bereich 38° / 39° oder gar nahe an die 40° gab, so wie bspw. 2015. Es dürfte nicht wenige geben, die sich bald die Temperaturen des Sommers 2018 zurückwünschen.


Bei den Großwetterlagen des Sommers dürften demnach zum einen Gemischte  Lagen überwiegen, zu nennen wären u.a. Brücke Mitteleuropa ( BM ), Südwestlage antizyklonal ( SWa ) Hoch Nordmeer-Island antizyklonal ( HNa ) Nordwestlage antiztyklonal ( NWa ) und  Hoch Mitteleuropa ( HM ). Meridionale Trog & Tiefdrucklagen ( TrW, TrM, TB, TM ) dürften aber wie oben erwähnt ebenso häufig auftreten, gemischte kühle Lagen ( bspw. NWz ), spielen ebenso eine Rolle weil sie für die typischen Einbrüche in einem Mitteleuropäischen Sommer stehen. Zonale Lagen dürften eine sehr untergeordnete Rolle spielen,  evtl. schafft es die zonale GWL Westlage antizyklonal ( Wa ) sich mal kurzzeitig durchzusetzen.

Bei der Abweichung zur derzeit aktuellen Klimatologischen Referenzperiode 1961 - 1990 ist +1,5° bis +2,5° zu vermuten.

Quelle der NOAA - Plots :  https://www.esrl.noaa.gov/psd/map/
Quelle der SST - Anomalien : http://www.ospo.noaa.gov/Products/ocean/sst/anomaly/
Quelle des Jetstream : http://squall.sfsu.edu/crws/archive/jetstream_archive.html
Quelle der Wetterkarten : www.wetterzentrale.de

Frühjahr 2019

Zum 8ten mal in Folge liegt ein milder Winter hinter uns, wenngleich der Winter 2012/2013 mit +0,1K Abweichung nur ganz knapp das Kriterium eines "Mildwinters" erfüllt, und von den Strömungsverhältnissen und den damals herrschenden Großwetterlagen war der damalige Winter weit davon entfernt, ein klassischer "Mildwinter" zu sein.

Die Druckabweichungen des Winters 2018/2019, der wahrscheinlich ( die abschließende Bewertung des DWD steht noch aus ) eine Abweichung um die +2,6K zur Referenzperiode 1961-1990 aufweist, stellen sich wie folgt dar

und verglichen mit meiner vermuteten Prognose vom November 2018 ist festzuhalten daß wieder einmal ein recht gutes Ergebnis erzielt wurde, bis auf den zu starken Tiefdruckeinfluss im Mittelmeerraum

Sehr gut erkannt wurden auch die dominanten Großwetterlagen, vermutet hatte ich hauptsächlich Gemischte und Zonale Großwetterlagen wie NWa, NWz und Wz

Abschließend bleibt zu sagen daß Mitteleuropa einem Winter entgegen geht, der hauptsächlich von gemischten und zonalen Großwetterlagen dominiert sein wird, zu nennen wären u.a. Westlage zyklonal, Nordwestlage zyklonal/antizyklonal. Kurzzeitig kann es auch meridionale Wetterlagen geben, wie HB, HFa und Nord/Nordostlagen.

Und tatsächlich wurden an 23 Tagen  Gemischte Großwetterlagen registriert, nämlich NWa und NWz, an 22 Tagen gab es Zonale Großwetterlagen, hierbei war die Zyklonale Westlage die hauptsächliche, gefolgt von Winkelwest und Westlage antizyklonal.

Die kälteste Periode fiel in die 2te und 3te Januar-Dekade, wie im November vermutet, allerdings ist nochmals festzustellen daß dieser Zeitraum ohnehin zum klimatologisch kältesten Abschnitt des Winters gehört und es keine große Kunst ist, hier einen Kaltlufteinbruch zu prognostizieren.

Daß der Februar schließlich derart Hochdruckgeprägt verläuft war im November noch nicht abzusehen, es ist aber nun schon zum wiederholten mal aufgrund des anthropogen forcierten Klimawandels vorgekommen daß es zu einer Verlangsamung des Jetstream mit Blockadelagen kommt, dies muss "abgespeichert" und beobachtet werden.

Ebenso wurde von mir richtig vermutet daß das Sudden Stratospheric Warming - beginnend Ende Dezember 2018 bis mitte Januar 2019 - nicht in der Lage war, entscheidenden Einfluss auf die Troposphäre zu nehmen, der Grund dazu lag in der Umstellung der QBO von Ost auf West, dies hatte ich im November angesprochen und so ist es auch eingetreten.

Kommen wir zum Frühjahr. Diese Jahreszeit ist aufgrund der großen Variabilität der Luftströmungen und Wassertemps sehr schwierig zu prognostizieren, fast schon eine undankbare Aufgabe.

Zunächst ein Blick auf die Anomalien der Wassertemps wo mehrere Faktoren auffällig sind :


(C)NOAA

Zur Verdeutlichung noch eine zweite Grafik :


(C)NOAA / NESDIS

Teile des Nord-und Polarmeers, Nord-und Ostsee sind für die Jahreszeit sehr warm, in einem Bereich nördlich der Azoren / östlich von Kanada / südlich von Island und Grönland befindet sich relativ kaltes Wasser.
Interessanter wird es, wenn man die aktuellen Abweichungen der Lufttemps der Nördlichen Hemisphäre mit hinzu nimmt

(C) KARSTEN HAUSTEIN

Man sieht im arktischen Bereich bis in`s mittlere Skandinavien recht kalte Luft aber über weiten Teilen von Grönland sehr warme Luft die auch südlich von Grönland zu finden ist. Dies scheint eine Momentaufnahme zu sein, nahm aber ihren Anfang schon in den vergangenen 4 Wochen, hier zu sehen

Folgende Schlüsse sind aus den Grafiken zu ziehen : Warme Luft im südlichen Grönländischen Bereich trifft auf das dortige kalte Wasser und iniziiert Tiefdruck, Kalte Luft aus arktischen Breiten trifft auf warmes Wasser des Nordmeers und des Nördlichen Atlantik und iniziiert ebenfalls Tiefdruck. Zonal geprägtes Wetter ist die logische Konsequenz. Es läuft also darauf hinaus daß der Meteorologische Frühjahrsbeginn durch starke Zonalität ( GWL Wz ) sehr wechselhaft und ungemütlich verlaufen dürfte bevor sich Nordhemisphärisch die ersten Umbauprozesse in Richtung Gemischte und Meridionale Großwetterlagen bemerkbar machen. Dies dürfte durch stärkere Mäandrierung des Jetstream bzw. der Rossby-Wellen hervorgerufen werden. Aktuell sind eher lange Wellen ( Wellenzahl 4 ) stationär, es ist aber damit zu rechnen daß sich dies auf Wellenzahl 5 steigert und die Strömungen deutlich weniger Zonalität aufweisen.

Zonale Großwetterlagen bilden im Frühjahr oftmals den "Türöffner" für milde bis warme Gemischte und Meridionale Großwetterlagen, da sich dann die thermalen Gegensätze zwischen den Nördlichen und Südlichen Breiten verstärken. Diese thermalen Gegensätze entstehen u.a. dadurch, daß sich wie oben angesprochen die QBO in der sog. "Westphase" befindet :



Die athmosphärischen Strömungen sind also westwärts gerichtet und sorgen dadurch für einen starken NAO-Index und daraus resultierend stärkere Tiefdrucktätigkeit.

Folge wären dann im weiteren Frühjahrsverlauf zum einen die Bildung der Großwetterlagen BM, SEa und HNFa, desweiteren kann es besonders in der 2ten Dekade des April um den 17.04 herum nochmals zu einem recht markanten Kaltlufteinbruch durchGroßwetterlagen wie bspw. HNFz kommen. Das langjährige Mittel der Klimaperiode zeigt, wie schon öfter in den vergangenen Jahren erwähnt, in diesem Zeitraum eine Delle nach unten.

Die dann eher meridional ausgerichtete Achslage der Zirkulation begünstigt aber auch die Bildung von Troglagen wie bspw. Trog Westeuropa, Trog Mitteleuropa und Tiefdrucklagen wie Tief Mitteleuropa, Tief Britische Inseln ( besonders diese drei GWL-Typen können sich als sehr persistent erweisen, ein grundlegender Lagenwechsel würde dann nur sehr zäh vonstatten gehen ) außerdem kühlere zyklonale Lagen wie SEz.

Die Druckabweichungen könnten sich wie folgt darstellen : 

Diese Druckabweichungen dürften für den ein oder anderen markanten Luftmassenwechsel von warm zu kalt verantwortlich sein, bevorzugt im April und Mai. 

Als Fazit lässt sich sagen daß sich die Dominanz Zonaler und Gemischter Großwetterlagen ein wenig umstellt auf mehr Gemischte Großwetterlagen gefolgt von Meridionalen Großwetterlagen. Zonale Großwetterlagen dürften weiterhin auftreten, nehmen aber an Häufigkeit ab. Es ist mit einer Abweichung von +1,5° bis +3° zur gültigen Klimareferenzperiode 1961-1990 zu rechnen.