Archiv für den Autor: Kurt Hansen

Frühjahr 2019

Zum 8ten mal in Folge liegt ein milder Winter hinter uns, wenngleich der Winter 2012/2013 mit +0,1K Abweichung nur ganz knapp das Kriterium eines "Mildwinters" erfüllt, und von den Strömungsverhältnissen und den damals herrschenden Großwetterlagen war der damalige Winter weit davon entfernt, ein klassischer "Mildwinter" zu sein.

Die Druckabweichungen des Winters 2018/2019, der wahrscheinlich ( die abschließende Bewertung des DWD steht noch aus ) eine Abweichung um die +2,6K zur Referenzperiode 1961-1990 aufweist, stellen sich wie folgt dar

und verglichen mit meiner vermuteten Prognose vom November 2018 ist festzuhalten daß wieder einmal ein recht gutes Ergebnis erzielt wurde, bis auf den zu starken Tiefdruckeinfluss im Mittelmeerraum

Sehr gut erkannt wurden auch die dominanten Großwetterlagen, vermutet hatte ich hauptsächlich Gemischte und Zonale Großwetterlagen wie NWa, NWz und Wz

Abschließend bleibt zu sagen daß Mitteleuropa einem Winter entgegen geht, der hauptsächlich von gemischten und zonalen Großwetterlagen dominiert sein wird, zu nennen wären u.a. Westlage zyklonal, Nordwestlage zyklonal/antizyklonal. Kurzzeitig kann es auch meridionale Wetterlagen geben, wie HB, HFa und Nord/Nordostlagen.

Und tatsächlich wurden an 23 Tagen  Gemischte Großwetterlagen registriert, nämlich NWa und NWz, an 22 Tagen gab es Zonale Großwetterlagen, hierbei war die Zyklonale Westlage die hauptsächliche, gefolgt von Winkelwest und Westlage antizyklonal.

Die kälteste Periode fiel in die 2te und 3te Januar-Dekade, wie im November vermutet, allerdings ist nochmals festzustellen daß dieser Zeitraum ohnehin zum klimatologisch kältesten Abschnitt des Winters gehört und es keine große Kunst ist, hier einen Kaltlufteinbruch zu prognostizieren.

Daß der Februar schließlich derart Hochdruckgeprägt verläuft war im November noch nicht abzusehen, es ist aber nun schon zum wiederholten mal aufgrund des anthropogen forcierten Klimawandels vorgekommen daß es zu einer Verlangsamung des Jetstream mit Blockadelagen kommt, dies muss "abgespeichert" und beobachtet werden.

Ebenso wurde von mir richtig vermutet daß das Sudden Stratospheric Warming - beginnend Ende Dezember 2018 bis mitte Januar 2019 - nicht in der Lage war, entscheidenden Einfluss auf die Troposphäre zu nehmen, der Grund dazu lag in der Umstellung der QBO von Ost auf West, dies hatte ich im November angesprochen und so ist es auch eingetreten.

Kommen wir zum Frühjahr. Diese Jahreszeit ist aufgrund der großen Variabilität der Luftströmungen und Wassertemps sehr schwierig zu prognostizieren, fast schon eine undankbare Aufgabe.

Zunächst ein Blick auf die Anomalien der Wassertemps wo mehrere Faktoren auffällig sind :


(C)NOAA

Zur Verdeutlichung noch eine zweite Grafik :


(C)NOAA / NESDIS

Teile des Nord-und Polarmeers, Nord-und Ostsee sind für die Jahreszeit sehr warm, in einem Bereich nördlich der Azoren / östlich von Kanada / südlich von Island und Grönland befindet sich relativ kaltes Wasser.
Interessanter wird es, wenn man die aktuellen Abweichungen der Lufttemps der Nördlichen Hemisphäre mit hinzu nimmt

(C) KARSTEN HAUSTEIN

Man sieht im arktischen Bereich bis in`s mittlere Skandinavien recht kalte Luft aber über weiten Teilen von Grönland sehr warme Luft die auch südlich von Grönland zu finden ist. Dies scheint eine Momentaufnahme zu sein, nahm aber ihren Anfang schon in den vergangenen 4 Wochen, hier zu sehen

Folgende Schlüsse sind aus den Grafiken zu ziehen : Warme Luft im südlichen Grönländischen Bereich trifft auf das dortige kalte Wasser und iniziiert Tiefdruck, Kalte Luft aus arktischen Breiten trifft auf warmes Wasser des Nordmeers und des Nördlichen Atlantik und iniziiert ebenfalls Tiefdruck. Zonal geprägtes Wetter ist die logische Konsequenz. Es läuft also darauf hinaus daß der Meteorologische Frühjahrsbeginn durch starke Zonalität ( GWL Wz ) sehr wechselhaft und ungemütlich verlaufen dürfte bevor sich Nordhemisphärisch die ersten Umbauprozesse in Richtung Gemischte und Meridionale Großwetterlagen bemerkbar machen. Dies dürfte durch stärkere Mäandrierung des Jetstream bzw. der Rossby-Wellen hervorgerufen werden. Aktuell sind eher lange Wellen ( Wellenzahl 4 ) stationär, es ist aber damit zu rechnen daß sich dies auf Wellenzahl 5 steigert und die Strömungen deutlich weniger Zonalität aufweisen.

Zonale Großwetterlagen bilden im Frühjahr oftmals den "Türöffner" für milde bis warme Gemischte und Meridionale Großwetterlagen, da sich dann die thermalen Gegensätze zwischen den Nördlichen und Südlichen Breiten verstärken. Diese thermalen Gegensätze entstehen u.a. dadurch, daß sich wie oben angesprochen die QBO in der sog. "Westphase" befindet :



Die athmosphärischen Strömungen sind also westwärts gerichtet und sorgen dadurch für einen starken NAO-Index und daraus resultierend stärkere Tiefdrucktätigkeit.

Folge wären dann im weiteren Frühjahrsverlauf zum einen die Bildung der Großwetterlagen BM, SEa und HNFa, desweiteren kann es besonders in der 2ten Dekade des April um den 17.04 herum nochmals zu einem recht markanten Kaltlufteinbruch durchGroßwetterlagen wie bspw. HNFz kommen. Das langjährige Mittel der Klimaperiode zeigt, wie schon öfter in den vergangenen Jahren erwähnt, in diesem Zeitraum eine Delle nach unten.

Die dann eher meridional ausgerichtete Achslage der Zirkulation begünstigt aber auch die Bildung von Troglagen wie bspw. Trog Westeuropa, Trog Mitteleuropa und Tiefdrucklagen wie Tief Mitteleuropa, Tief Britische Inseln ( besonders diese drei GWL-Typen können sich als sehr persistent erweisen, ein grundlegender Lagenwechsel würde dann nur sehr zäh vonstatten gehen ) außerdem kühlere zyklonale Lagen wie SEz.

Die Druckabweichungen könnten sich wie folgt darstellen : 

Diese Druckabweichungen dürften für den ein oder anderen markanten Luftmassenwechsel von warm zu kalt verantwortlich sein, bevorzugt im April und Mai. 

Als Fazit lässt sich sagen daß sich die Dominanz Zonaler und Gemischter Großwetterlagen ein wenig umstellt auf mehr Gemischte Großwetterlagen gefolgt von Meridionalen Großwetterlagen. Zonale Großwetterlagen dürften weiterhin auftreten, nehmen aber an Häufigkeit ab. Es ist mit einer Abweichung von +1,5° bis +3° zur gültigen Klimareferenzperiode 1961-1990 zu rechnen.

Winter 2018 / 2019

Bevor ich den kommenden Winter bespreche, wie immer ein kurzer Rückblick auf den vergangenen Herbst. Die von mir vermutete Wechselhaftigkeit blieb aus bzw. kam nur kurz zum Tragen. Der November bspw. war auch wieder fast komplett von meridionalen Großwetterlagen geprägt, die von mir vermuteten zonalen und gemischten Wetterlagen stellten sich hauptsächlich im September und Oktober ein.

Dennoch ein gutes Ergebnis bei den vermuteten Druckabweichungen, hier die Prognose

und hier das Ergebnis

(C)NOAA
auf dem man sehr gut sieht daß der erwartete Schwenk hin zu etwas mehr Zonalität ausblieb.

Dieser Schwenk ist aktuell allerdings vollzogen, der Dezember startet westlastig, die beherrschenden Großwetterlagen und auch die klimatischen Strukturen werden sich deutlich umstellen, die meridionale Dominanz ist gebrochen und wird in diesem Winter nicht mehr präsent sein.

ATLANTISCHE SITUATION

Wie schon in der Herbstprognose erwähnt war der NAO-Index in diesem Jahr fast durchweg sehr hoch. Im November fiel er in den negativen Bereich aufgrund der meridionalen Struktur der Großwetterlagen, nun aber ist ein deutlicher Anstieg des Index zu erkennen

(C)NOAA

Dies wird durch die Abweichungen der Wassertemps ermöglicht welche sich folgendermaßen darstellen :

(C)NOAA

Das zusammentreffen von kalten Wasser im Grönländisch-Isländisch-Kanadischen Bereich in der Davis-Straße und vor Neufundland mit warmen Wasser aus dem mittleren und südlichen Atlantik plus relativ kalte Luft aus der NH und warmer Luft aus dem subtropischen Bereich sorgt für große Gegensätze und die Bildung von vielen Tiefs, die dann via West in die für Europa verantwortliche Wetterzirkulation eingebunden werden.

Auch im Nordmeer sind große Gegensätze vorhanden. Hier sorgt warmes Wasser plus relativ kalte Luft aus der NH für tiefes Geopotential, ein starkes Polarhoch wird sich so nicht bilden können.

Sollte die Frontalzone wie aktuell etwas weiter südlich orientiert bleiben, so wäre zumindest in den Mittelgebirgen bei Durchzug der Tiefdruckgebiete Schnee möglich.

Abschließend ist festzustellen daß sich rund um die Azoren sowohl kühleres als auch wärmeres Wasser befindet. Im Zusammenspiel mit kühleren Luftmassen aus Nord und wärmeren aus Süd dürften sich hier keine großen Gegensätze aufbauen, was für ein normal ausgeprägtes Azorenhoch spricht.

NÖRDLICHE HEMISPHÄRE / POLARWIRBEL

Der Polarwirbel zeigt sich aktuell gut strukturiert, die Ozonkonzentration ist mittel bis niedrig

und scheint in der kommenden Zeit abzunehmen

was sich auch in den Abweichungen zeigt, diese sind negativ, also findet Ozonzerstörung statt, was für eine sich abkühlende Athmosphäre steht

(C)Canada Environment

Allerdings muss ich anmerken daß dieses Szenario auch im vergangenen Winter gegeben war. Jedoch kam es im Februar 2018 zu einer starken plötzlichen Stratosphärenerwärmung, die die Zirkulation nachhaltig, nämlich bis Ende März, auf winterliche Verhältnisse umstellte.

Zwei Ursachen sind hierfür verantwortlich. Zum einen der anthropogen forcierte Klimawandel. Zwar kühlt sich die Athmosphäre des Polarwirbel einerseits durch den verstärkten Eintrag von Aerosolen ab, andererseits sorgt die Zunahme des Klimaschädlichen CO2 dafür, daß der Polarwirbel in seiner Gesamtstruktur schwächer bzw. anfälliger wird für starke Warmluftadvektion und dadurch Umkehrung der Windverhältnisse.

Zweitens befand sich die Athmosphäre im Februar 2018 in der Ostwindphase der „Quasi binären zweijährigen Schwingung“, dies ist vereinfacht gesagt eine periodisch athmosphärische Welle des zonalen Winds in der äquatorialen Stratosphäre der Erde.

In der Westphase wird die zonale Zirkulation gestärkt, in der Ostphase geschwächt.

Aktuell scheint sich diese Schwingung von Ost auf West umzustellen, der Wert für Oktober war nur noch leicht negativ. Mit dem Eintritt in die Westwindphase dürfte es daher zu keiner plötzlichen Stratosphärenerwärmung im aktuellen Winter kommen. Kleine Erwärmungen, sogenannte „Minor Warmings“, werden dagegen auftreten, sie kommen jeden Winter vor. Sie sind aber nicht in der Lage, die Windverhältnisse zu ändern, können aber für kurzzeitige Kaltlufteinbrüche sorgen.

POLARFRONTJETSTREAM & EURASIEN

Der Polarfrontjetstream zeigt sich hervorragend und stark strukturiert

(C)California Weather Server

Damit steht der  Kaltluftadvektion aus dem Sibirischen Raum via Polarfrontjetstream in R. Nordpazifisches Beringmeer und damit auch den Aleuten nichts im Wege, was die dortige, schon jetzt sehr starke Tiefdruckentwicklung noch weiter stärken würde und entsprechende Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Polarfrontjetstream hätte. Schon seit einigen Jahren wird auf die Wechselwirkung des Aleutentief zum Islandtief hingewiesen.

Daß das Aleutentief heuer so stark ist hängt mit Rekordwerten der dortigen Wassertemps ( Nordpazifik ) zusammen

(C)NOAA

die Abweichungen waren die höchsten, die bisher im Oktober dort gemessen wurden, dazu ein Diagramm ( aus der Wetterzentrale des Users „Random Weather“ )

(C)Wetterzentrale / Random Weather

Um nochmal auf den Jetstream zurückzukommen, das stärkste Kaltluftpotential befindet sich derzeit weit östlich im Sibirischen Raum, gut zu sehen auf den gemittelten Karten der NH von EZ und GFS

(C)Wetterzentrale

Und da der Jetstream, wie oben zu sehen, überall in recht geordneten Bahnen verläuft dürfte oben beschriebene Entwicklung weiter verstärken.

Was ebenfalls zu sehen ist : An der Ostküste der USA und Kanada befindet sich relativ viel Kaltluftpotential. Dieser Umstand sorgt dafür, daß die Tiefdruckproduktion vor Neufundland weiter angetrieben wird.

Kommen wir zur Eurasischen Schneebedeckung. Diese zeigt ein verändertes Bild im Gegensatz zu 2017

(C)NOAA

denn 2017 war die Schneefläche sowohl radialsymetrisch ( entlang der Längengrade von Ost nach West) als auch exzentrisch ( entlang der Breitengrade von Nord nach Süd ) ausgedehnt, was sowohl Zonale als auch Meridionale Großwetterlagen begünstigte. Heuer ist aber eher die radialsymetrische Ausdehnung im Vorteil. was zur verstärkten Entwicklung zonaler Großwetterlagen führen dürfte.

Dazu passt, daß der November 2018 in Westrussland recht kalt verlief, also eine relativ frühe Einwinterung stattfand. Dieser Umstand sorgt dafür, daß der zonale Index erhöht wird.

Die aktuelle Kaltluftverteilung zeigt, daß sich an der Situation in Westrussland erstmal wenig ändert :

(C) Karsten Haustein

Abschließend bleibt zu sagen daß Mitteleuropa einem Winter entgegen geht, der hauptsächlich von gemischten und zonalen Großwetterlagen dominiert sein wird, zu nennen wären u.a. Westlage zyklonal, Südwestlage zyklonal, Nordwestlage zyklonal. Selbstverständlich wird es auch kältere und kalte, winterliche Abschnitte geben, sie gehören dazu und kommen in jedem Winter vor, sei er auch noch so mild. Aber, sie werden nie von längerer Dauer sein, vielleicht am ehesten im Hochwinter ab mitte Januar bzw. 2te und 3te Januar-Dekade und 1te Februar-Dekade. Dies ist klimatologisch gesehen die kälteste Zeit des Winters und dazu prädestiniert, mal einen längeren kalten Abschnitt zu liefern. Kältere Abschnitte dürften sich aus Trogentwicklungen und Rückseiten von durchziehenden Tiefdruckgebieten ergeben. Der Dezember dürfte noch etwas von der vorangegangenen meridionalen Dominanz profitieren, wenn auch nur mit kurzen Abschnitten.

Die Druckabweichungen dürften sich wie folgt darstellen :

(C)NOAA

Es ist daher mit einer Abweichung von +1° bis +2,5° zur International gültigen Klimareferenz-Periode 1961 – 1990 zu rechnen.

Quellen der Bilder :
www.wetterzentrale.de
http://squall.sfsu.edu/crws/archive/jet_nh_arch.html
http://es-ee.tor.ec.gc.ca/e/ozone/Curr_map.htm
http://www.karstenhaustein.com/climate
http://www.climate4you.com/SnowCover.htm